Die drei Sennder-Gründer ( v. l. n .r.): Nicolaus Schefenacker, David Nothacker (CEO)  und Julius Köhler.

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Sennder will Speditionen kaufen

Die digitale Spedition Sennder will nach ihrem Deal mit Uber Freight einen neunstelligen Euro-Betrag einsammeln. Über seine Strategie sprach nun Sennder-CEO David Nothacker mit der VerkehrsRundschau.

Sie soeben das hoch-defizitäre Europageschäft von Uber Freight übernommen. Welche Vorteile versprechen Sie sich davon?
Für mich persönlich, war das Uber-Team der entscheidende Grund, weil sie wissen wie man Geschäft nach oben skaliert. Wir werden daher auch fast das gesamte Management übernehmen, der vormalige General Manager Europa wird zum Beispiel COO von Sennder. Für uns wichtig sind natürlich auch die Kunden von Uber Freight. Dieses Volumen brauchen wir für unsere Plattform. Das hilft uns bei Themen wie Lkw-Auslastung und Preisgestaltung.Und natürlich versprechen wir uns über Uber Vorteile in Nordamerika. Wir haben da große gemeinsame Pläne, auch was das Thema Technologie betrifft.

Wie viel Umsatz spült Ihnen das Uber Freight Geschäft in die Kassen?Dazu machen wir keine Angaben. Nur so viel: Sennder war umsatzmäßig deutlich größer als Uber Freight. Der Umsatz von Uber Freight entspricht etwa dem von Everoad in Frankreich. Diese Plattform haben wir in diesem Jahr auch gekauft.

Planen Sie weitere Aufkäufe?
Wie es aussieht, starten wir in den kommenden Monaten zunächst einmal eine weitere Finanzierungsrunde. Damit wollen wir einen neunstelligen Betrag einsammeln. Und im nächsten Schritt werden wir sukzessive verstärkt kleinere klassische Speditionen ohne eigenen Fuhrpark kaufen, die noch keine eigenen digitalen Lösungen nutzen. Wunschgröße sind da für uns Betriebe von 20 bis 100 Mitarbeitern. Wir haben uns  auch schon zwei Speditionen angesehen. Haben es aber gelassen, weil wir unsere neuen Aktivitäten erst integrieren müssen.

In welchen Ländern streben Sie konkret Zukäufe an?
Wir wollen der europäische Transport-Champion werden. Das ist unser Ziel. Und Potenzial sehen wir da ganz klar in England, Skandinavien und einigen Ländern Osteuropas wie Rumänien, weil wir da noch kaum präsent sind. Wir wollen uns da lokal verstärken, damit wir eine persönliche Beziehung zu unseren Kunden und Frachtführern entwickeln, aber auch weil uns das mehr Volumen auf unsere Plattform bringt.

Sprich: aus der digitalen Spedition Sennder wird jetzt eine klassische Spedition?
Kann man so sehen. Sehen wir aber anders. Wir sind und bleiben digitale Spedition. Wir digitalisieren ja mit unserer Lösung das Geschäft von Speditionen und machen es effizienter. Aber natürlich werden wir stärker zu Konkurrenten klassischer Speditionen, weil wir immer größer werden.

Was aber unterscheidet Sennder noch von klassischen Speditionen?
Uns unterscheidet, wie wir operieren, wie wir Transporte durchführen. Wir haben einen Algorithmus entwickelt, der es uns erlaubt Transporte verschiedener Kunden dynamisch zu kombinieren. Die durchschnittliche Auslastung ist somit wesentlich höher als bei konventionell arbeitenden Speditionen. Denn diese arbeiten häufig noch mit Excel und einigen wenigen Tools. Da läuft planungstechnisch noch nicht so viel.

Und wen sehen Sie als Mitbewerber?
Das sind die großen Player wie Kühne + Nagel, Lkw Walther. An denen messen wir uns. 

Wie viel Umsatz machen Sie heute, und welche Umsatzgröße peilen Sie bis 2025 an?
Wie viel Umsatz wir heute machen, kommunizieren wir nicht. Was ich sagen kann: alleine mit unserem Joint Venture mit der italienischen Post machen wir in diesem Jahr rund 100 Millionen Euro Umsatz. Und bis 2025 wollen wir eine Milliarde Euro Umsatz knacken. Das war zumindest bislang unser Ziel. Mit Uber Freight im Gepäck werden wir diese Zahl sogar nach oben korrigieren.

Schreiben Sie schon schwarze Zahlen?
Nein. Aber das ist ein geplanter Verlust. Wir investieren ja im Moment sehr viel. Ein Drittel unserer Ausgaben geht ins Thema Technologien und dazukommen natürlich die besagten Transaktionen.

Letzte Frage: über welches neue Feature von Sennder dürfen sich Transportbetriebe freuen?
Wir entwickeln gerade die Lösung „Carrier TMS“. Das ist ein kleines Betriebssystem für unsere Transportpartner mit bis zu 100 Lkw. Auf diesem dürfen sie künftig ihr gesamtes Geschäft abbilden: ihre Transportplanung, -abwicklung und ihre Rechnungsabwicklung mit ihren Kunden, um einige wenige Beispiele zu nennen. Momentan testen wir diese Lösung mit einem Prototyp, der vollständige und Rollout ist für das erste Quartal 2021 geplant. (eh) 

Das Interview führte VerkehrsRundschau-Redakteurin Eva Hassa.

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special LKW-LANDVERKEHR & STÜCKGUT.

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