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Am Rande: Neues vom Schnitzelkrieg

Ist das Schnitzel groß genug? Finanzamt glaubt, der Wirt habe mehr abgerechnet, als er servierte
© Foto: imago/Daniel Schvarcz

Ein Wirtspaar soll die Preise für seine Schnitzel falsch abgerechnet haben / Das Verfahren wegen Steuerhinterziehung wurde eingestellt


Datum:
05.07.2011
2 Kommentare

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Der auch als „Schnitzelkrieg" bekannte Streit darüber, wie groß ein Schnitzel im Restaurant sein darf, ist am Mittwoch vor dem Amtsgericht Chemnitz zwar nicht entschieden worden. Der Prozess wegen Steuerhinterziehung gegen zwei Wirtsleute aus Hammerbrücke bei Plauen wurde jedoch gegen Zahlung von je 1500 Euro eingestellt.

Die Staatsanwaltschaft hatte einem 50-Jährigen und seiner drei Jahre älteren Lebensgefährtin vorgeworfen, von 2006 bis 2008 mehr als 25.000 Euro Steuern zu wenig gezahlt zu haben. Beide sollen laut Anklage statt einiger großer Portionen - wie offiziell angegeben - mehrere kleine verkauft und damit am Fiskus vorbei Geld verdient haben. Das Wirtspaar, das angibt, mit üppigen Schnitzel- und Nudelportionen um Kundschaft zu kämpfen, bestritt die Vorwürfe.

Wirt verlangt Gerechtigkeit

„Die Klage ist ungerecht", sagte der Wirt zu den Vorwürfen des Finanzamtes. Seit 1995 seien er und seine Partnerin nicht mehr im Urlaub gewesen und hätten nicht einmal eine Krankenversicherung gehabt. Das Geld reiche hinten und vorn nicht. Den Laden hätten sie sich von einem Darlehen ihrer Eltern in Höhe von 50.000 Euro aufgebaut. Die Schulden seien noch nicht zurückgezahlt.

Ins Rollen gebracht hatte den Fall ein Steuerprüfer. Der Beamte hatte sich nach eigenen Angaben die Einkaufsrechnungen angesehen und penibel herausgesucht, was Fleisch, Eier, Brötchen, Kartoffeln und Gemüse kosten. Er recherchierte zum Teil im Internet die Kochrezepte und kalkulierte für einige der angebotenen Gerichte die Preise. Das Ergebnis: Die Materialkosten für die Speisen lägen nur selten bei mehr als einem Euro. Verlangt worden sei aber gut das Vierfache. „Das ist eine ganz einfache Rechnung", sagte der Mann. Der Umsatz müsse höher gewesen sein.

Penibler Steuerbeamter rechnet nach

Die Verteidiger protestierten. In einem Restaurant mit Schnitzeln als Spezialitäten seien die Stücke nun einmal größer als gewöhnlich - es gebe nur fünf statt sechs Schnitzel je Kilo Fleisch. Und auch die angegebenen Preise stimmten nicht. 2,70 Euro habe das Schnitzel mit Brot gekostet, zusätzlich gab es Schnitzel mit Gewürzfleischauflage, mit gebratenen Eiern oder mit Ananas für 3,80 Euro.

Nach etwa drei Stunden Feilschen über Schnitzelgrößen, Essensportionen, Kochrezepte und Materialpreise platzte Richterin Gudrun Trautmann schließlich der Kragen und sie bat die Anwälte zum Gespräch hinter verschlossenen Türen. Anschließend wurde die Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage bekanntgeben. (dpa) 

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KOMMENTARE


rick.sander

06.07.2011 - 11:44 Uhr

Der kann doch seine Schnitzel kalkulieren wie er will.Die sollen doch nach den großen Steuerhinterziehern suchen, aber da trauen sie sich nicht.


Politiker

06.07.2011 - 11:50 Uhr

Ist etwas für den Verbraucher wird es bekämpft. Wird der Verbraucher betrogen, verschweigt man es, siehe Gammelfleisch: vor Jahren hat man festgestellt und es abgestellt. Das sind dann die aktuellen Verbraucherschutzmeldungen. Namen werden natürlich nicht genannt. Täterschutz geht vor Verbraucherschutz.


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