Stau

Der Straßenverkehr stößt vielerorts an seine Grenzen. Die Digitalisierung soll Lösungsmöglichkeiten schaffen

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Pro Mobilität diskutiert über die Zukunft der Straßeninfrastruktur

Bei einer Abendveranstaltung in Berlin drehte sich alles um die Themen intelligente Infrastruktur und vernetzte Mobilität.

Berlin. Um die Zukunft des Straßenverkehrs angesichts der digitalen Herausforderung ging es auf einer Veranstaltung der Infrastrukturinitiative Pro Mobilität, die darin ein Schwerpunktthema für die nächste Wahlperiode sieht. Die Erkenntnis, dass es ohne Mobilität keinen Wohlstand gebe, vereine die über 200 Teilnehmer des Abends, stellte Verbandspräsident Eduard Oswald eingangs unwidersprochen fest, doch „fertig werde man mit dem Thema nie“. Es lautete deshalb „Intelligente Infrastruktur für vernetzte Mobilität“ und ging somit um die Frage, wie zusätzliche Daten das Infrastrukturmanagment verbessern können.

Hauptredner Thomas Bendig, Forschungskoordinator beim Fraunhofer-Verbund IUK-Technologie, stellte fest, dass der Straßenverkehr an seine Grenzen stoße. Parkraumknappheit, Staus, Luft- und Klimabelastung seien die Stichworte, um nach neuen Lösungen zu suchen. Dazu zähle etwa die durch Sensoren übermittelte Information an den Verkehrsteilnehmer, ob eine Ampel frequentiert sei oder nicht. Auf dem digitalen Testfeld der A 9 werde erprobt, wie Lkw- und Pkw-Fahrer rechtzeitig von Wanderbaustellen erfahren, berichtete Andreas Reich, bei der Audi AG zuständig für die Vorentwicklung Elektrik/Elektronik.

Automatische Erkennung von Falschfahrern

Bereits in Auftrag gegeben sei auf der A 9 ein Pilotprojekt, das Falschfahrten im Bereich der Anschlussstellen automatisch erkenne und den Falschfahrer visuell und akustisch warne, ergänzte Tobias Miethaner, zuständiger Leiter der Abteilung Digitale Gesellschaft im Bundesverkehrsministerium. Sämtliche Innovationen kämen auch dem Lkw zu Gute, zeigte sich Adalbert Wandt, Präsident des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), gegenüber der VerkehrsRundschau zufrieden.

Markus Oeser, Leiter des Instituts für Straßenwesen an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH), scheute sich während der Podiumsdiskussion nicht vor politischen Aussagen. Er warnte vor einem „übertriebenen Umweltschutz“ und beklagte ein Missverhältnis an Innovationen zwischen Lkw und Pkw sowie der Infrastruktur. Auf der Fahrt in der Berliner Innenstadt sei er gegen 16 Uhr aufgrund einer Baustelle in einen längeren Stau geraten, auf der gar nicht gearbeitet wurde, empörte er sich. Mit dem entschuldigenden Hinweis, die Arbeiter hätten womöglich schon in der Frühe mit ihrem Tageswerk begonnen, gab der Berliner Moderator Volker Wieprecht wohl eher unfreiwillig Einblick in die Hauptstadt-Mentalität.

Das Verkehrsnetz sei die Hauptschlagader des Landes, gab Oeser unter dem Beifall der Zuhörer zurück. Dass der Wohlstand nur gesichert werden könne, wenn die Infrastruktur „in Schuss sei“, hatte auch Oswald gemahnt und die Bilanz des Verkehrsministeriums zum Ende der Wahlperiode gelobt. Staatssekretär Norbert Barthle (CDU) nahm es erfreut zur Kenntnis und referierte routinemäßig die Aktivitäten des Ressorts in den vergangenen knapp vier Jahren. „In der Wiederholung liegt die Quelle der Erkenntnis“, meinte er zu Beginn seiner Ausführungen schmunzelnd. (jök)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special VERKEHRSINFRASTRUKTUR BAU & FINANZIERUNG.

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Verkehrsinfrastruktur Bau & Finanzierung, Verband – Pro Mobilität

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