München. Das Beratungshaus Oliver Wyman sagt für die Zulieferer turbulente Zeiten voraus. So lautete die Kernthese der Studie „Neue Übernahmewelle in der Automobilzulieferindustrie", dass sich die Zahl der weltweit produzierten Fahrzeuge bis 2015 auf rund 104 Millionen Einheiten deutlich vergrößern wird (2010 waren es noch 72 Millionen). Damit würde der Markt jährlich rund sieben Prozent wachsen – und auch die Geschäfte der Zulieferer mittelfristig wieder florieren.
Asiens wirtschaftliche Hoffnungsträger China und Indien sollen dabei im Jahr 2015 rund ein Drittel der Fahrzeuge aufnehmen. Laut den Analysten werden in dem wachsenden Markt Übernahmen innerhalb der Zuliefer-Branche wieder wahrscheinlicher. Hier haben sich die Vorzeichen aber gedreht. Aus dem Verkäufermarkt ist ein Käufermarkt geworden.
Gaben in den letzten Jahren Finanzinvestoren in der Zulieferindustrie Zukäufe oder Beteiligungen bekannt, trennen sich diese zunehmend von ihren Invests. Laut den Beratern von Oliver Wyman gehört mehr als jeder Fünfte der rund 800 europäischen Automobilzulieferer mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro einem Finanzinvestor.
„Eine Vielzahl dieser rund 160 Automobilzulieferer wird in den kommenden 24 Monaten von ihren gegenwärtigen Eigentümern zum Verkauf gestellt werden", sagt Lars Stolz, Automobilexperte bei Oliver Wyman voraus. Käufer zu finden wird allerdings schwieriger. Hier sehen die Analysten vor allem Akteure aus der Branche als potenzielle Abnehmer. Diese könnten sich damit neue Absatzregionen und insbesondere neue Produkte und Technologien zukaufen, um ihr Geschäftsportfolio abzurunden, heißt es. Im Fokus stehen dabei Schlüsseltechnologien im Bereich E-Mobility. Die Zeiten für die Zulieferer werden also turbulent. (rs)