Picnic-Lieferfahrzeug

Picnic liefert die bestellten Lebensmittel mit eigenen E-Lieferwagen zu festen Lieferterminen

©Oliver Berg/dpa/picture-alliance

Neue Konkurrenz im Online-Lebensmittelhandel

Der holländische Online-Supermarkt Picnic hat den deutschen Platzhirschen Rewe, Amazon Fresh und Bringmeister den Kampf angesagt. Dabei macht er zunächst einen Bogen um die Metropolen.

Düsseldorf. Ein holländischer Online-Supermarkt bringt in Nordrhein-Westfalen frischen Wind in den Internethandel mit Lebensmitteln. Während viele Pioniere der Branche wie Amazon Fresh oder Bringmeister bislang nur in Großstädten wie Berlin oder München auf Kundenfang gehen, starteten die Niederländer ihr Angebot abseits der Metropolen im Speckgürtel von Düsseldorf. Von dort aus wollen sie noch in diesem Jahr in zwei weitere Regionen des bevölkerungsreichsten Bundeslandes expandieren.

Wer die kleinen, wendigen Elektrolieferwagen des holländischen Start-Ups Picnic durch Kaarst, Neuss, Meerbusch oder den Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel wieseln sieht, merkt gleich, dass die Niederländer entschlossen ihren eigenen Weg gehen. Die Fahrzeuge sind selbst entworfen und gerade einmal 1,35 Meter breit. Das ist nicht nur praktisch, um auch noch in vollgeparkten Straßen eine Möglichkeit zum Halten zu finden, es erlaubt den Fahrern auch, von beiden Fahrzeugseiten aus schnell und problemlos an die Kisten mit den Bestellungen zu kommen.

Feste Lieferzeiten entlang einer Lieferroute

Tatsächlich machen die Niederländer vieles anders als Konkurrenz. Sie machen nicht nur – vorerst – einen Bogen um die Metropolen. Sie verzichten im Gegensatz zu den bekannteren Online-Konkurrenten wie Amazon, Bringmeister oder Rewe auch grundsätzlich auf Liefergebühren, verlangen lediglich einen Mindestbestellwert von 25 Euro und werben mit einer Niedrigpreis-Garantie.

Doch sie liefern auch nicht zum Wunschtermin. Wie früher der Milchmann fahren die Picnic-Elektrokarren zu bestimmten Stunden nachmittags und abends die Straßen in ihrem Liefergebiet ab. Und nur zu dieser – täglich wechselnden – Zeit kann der Kunde die Ware in Empfang nehmen. Dadurch vermeide Picnic ineffizientes hin und her, betonen die Macher.

Kostenlose Zustellung wichtiger als Flexibilität

Für den E-Commerce-Experten Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein macht gerade das Picnic zu einem vielversprechenden Herausforderer für Amazon und Co. Picnic habe eine Antwort auf das größte Probleme des Online-Handels gefunden: Die hohen Zustellkosten. „Dadurch dass sie die Ware wie früher der Milchmann zu einem festen Liefertermin bringen und dabei alle Bestellungen aus einer Straße auf einmal abarbeiten, können sie die Lieferkosten drastisch senken“, meint der Experte.

Picnic habe deshalb unter allen Online-Händlern im Lebensmittelbereich neben Amazon wohl das größte Potenzial. „Das einzige Fragezeichen bei dem Konzept von Picnic ist, ob die Idee mit dem festen Zustelltermin von den Verbrauchern wirklich akzeptiert wird“, meint der Branchenkenner.

Doch Frederic Knaudt, Mitglied des dreiköpfigen Gründungsteams von Picnic Deutschland, ist da sehr zuversichtlich. „Was wir herausgefunden haben ist, dass den Kunden am Ende des Tages die kostenlose Zustellung, Verlässlichkeit und ein genaues Zeitfenster wichtiger sind als Flexibilität“, meint er. Von den rund 100.000 Haushalten im aktuellen Liefergebiet bei Düsseldorf hätten in den vergangenen Monaten schon rund 13.000 die Picnic-App heruntergeladen.

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Online-Lebensmittelhandel für jedermann

Picnic bewegt sich in einem herausfordernden Markt. Während Online-Händler etwa bei Textilien oder Elektronik längst große Marktanteile gewonnen haben, spielt das Internet beim Thema Lebensmittel immer noch eine untergeordnete Rolle. Nur rund ein Prozent des Umsatzes im Lebensmittelhandel werden bislang online gemacht. Und niemandem ist es nach Angaben der „Lebensmittel Zeitung“ bislang gelungen, das Geschäft in Deutschland profitabel zu betreiben.

Das schreckt die Niederländer jedoch nicht. Immerhin gelang es Picnic in seinem Heimatland innerhalb weniger Jahre sein Angebot in fast 40 Städten und Regionen auszurollen und den Umsatz von null auf zuletzt 100 Millionen Euro zu steigern. In diesem Jahr sollen es auch dank der Expansion nach Deutschland sogar rund 300 Millionen Euro werden.

Picnic-Mitgründer Michiel Muller ist deshalb bei dem Angriff auf den deutschen Markt durchaus selbstbewusst. „Mit diesem Angebot für jedermann holen wir den Online-Lebensmittelhandel in Deutschland aus der Premium-Nische“, kündigte er bei einem Interview zum Start von Picnic Deutschland an. (dpa)

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