Angela Merkel

Auch in diesem Jahr wieder als Gastrednerin bei der Nationalen Maritimen Konferenz: Bundeskanzlerin Angela Merkel

©Axel Heimken/dpa/picture-alliance

Maritime Konferenz am Bodensee entwirft Leitlinien für die Zukunft

Die maritime Wirtschaft trifft sich in dieser Woche fernab der Küste am Bodensee. Die Interessengruppen haben eine Menge Wünsche im Gepäck. Sie fordern politische Unterstützung für die Branche, die längst nicht nur am Meer von Bedeutung ist.

Friedrichshafen. Mehr als 800 Politiker, Unternehmens- und Verbandsrepräsentanten, Gewerkschafter, Marinevertreter und Experten kommen in dieser Woche zur 11. Nationalen Maritimen Konferenz in Friedrichshafen am Bodensee zusammen. Erstmals nach 20 Jahren tagt die Konferenz am 22. und 23. Mai im Binnenland, um die Bedeutung der Zulieferindustrie zu unterstreichen und das Gewicht der maritimen Wirtschaft außerhalb Norddeutschlands.

Bayern und Baden-Württemberg, aber auch Nordrhein-Westfalen sind bedeutende Standorte für die Schiffbau-Zulieferindustrie mit Unternehmen wie dem Hersteller der weltgrößten Schiffsmotoren MAN, Siemens, MTU, ZF und vielen weiteren Anbietern von Navigations- und Antriebstechnik. Allein die Zulieferindustrie beschäftigt bei einem Umsatz von mehr als zehn Milliarden Euro mehr als 63.000 Mitarbeiter. Rund 80 Prozent der Wertschöpfung beim Bau eines Schiffes entfallen auf die Zulieferungen. Insgesamt werden der maritimen Wirtschaft rund 50 Milliarden Euro Umsatz und 400.000 Arbeitsplätze zugeordnet.

Faire Wettbewerbsbedingungen gefordert

Die deutschen Werften - eine Branche mit mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz und fast 20.000 Beschäftigten - fordern vor allem faire Wettbewerbsbedingungen, um sich der chinesischen Offensive zu erwehren. China will in den Bau von hochkomplexen Kreuzfahrtschiffen einsteigen, der Domäne des deutschen Schiffbaus. „Seit Jahrzehnten erleben wir Marktverzerrungen ohne Gegenmittel”, sagt Reinhard Lüken, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes VSM. „Das muss aufhören.”

Die Reedereien, denen immer noch die schwere Schifffahrtskrise der vergangenen zehn Jahre in den Knochen steckt, sind ebenfalls an gleichen Wettbewerbsbedingungen interessiert, vor allem gegenüber den europäischen Nachbarländern. Die deutsche Handelsflotte ist von einstmals 3500 auf knapp 2300 Schiffe geschrumpft, die Zahl der Reedereien von mehr als 400 auf 330. Die Schifffahrt findet nur noch schwer Zugang zu Krediten und fühlt sich zudem durch spezielle Steuerregeln benachteiligt. „Ich höre immer wieder, dass die Politik sagt, die maritime Wirtschaft sei eine Schlüsselindustrie für Deutschland”, sagt der Präsident des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), Alfred Hartmann. „Aber den Worten müssen auch Taten folgen.”

Hoffnung auf dauerhaft hohe Investitionen

Die 22 Seehäfen in Deutschland fordern vor allem dauerhaft hohe Investitionen in die Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur. „Deutschland ist Export- und Logistikweltmeister”, sagt Frank Dreeke, Präsident des Zentralverbandes der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS).

„Unsere Seehäfen ermöglichen diesen Erfolg.” Die deutsche Hafenwirtschaft, die jährlich rund 300 Millionen Tonnen Güter umschlägt, sei extrem leistungsstark und systemrelevant. Um ihre Stärken noch besser ausspielen zu können, müsse sie von Wettbewerbsnachteilen befreit werden, etwa beim Verfahren zur Erhebung der Einfuhrumsatzsteuer. 

Die Gewerkschaften verlangen, dass der Schiffbau aufgewertet wird. „Von Wirtschaftsminister Peter Altmaier erwarten wir in Friedrichshafen eine klare Zusage, dass die maritime Wirtschaft in der nationalen Industriestrategie aufgegriffen wird”, sagt Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste. Die IG Metall fordert zudem eine stärke Zusammenarbeit der Unternehmen auf nationaler und europäischer Ebene. „Die mittelständisch geprägten, teilweise inhabergeführten Unternehmen in Deutschland brauchen Partner im In- und Ausland”, sagt Geiken. So könnten Nachteile gegenüber den staatlich geprägten Großunternehmen in Südostasien, aber auch in Italien und Frankreich ausgeglichen werden.

Ein internationales Signal

Der Gewerkschaftsappell an mehr europäische Zusammenarbeit dürfte auch bei Norbert Brackmann (CDU) auf offene Ohren stoßen, dem Maritimen Koordinator der Bundesregierung und Gastgeber der Konferenz. „Wir wollen ein internationales Signal setzen; deshalb ist auch mein französischer Kollege dabei”, sagt Brackmann. Geplant sei die Verabschiedung eines europapolitischen Papiers für eine noch bessere Zusammenarbeit in Europa, vor allem im Bereich der Forschung.

Die Digitalisierung der Häfen, Schiffe und produzierenden Betriebe sei das zweite große Thema der Konferenz. Schließlich werde die Klimapolitik und die Dekarbonisierung der Schifffahrt, der Verzicht auf fossile Brennstoffe, eine große Rolle spielen. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Wirtschaftsminister Peter Altmaier und EU-Kommissar Günther Oettinger (alle CDU) werden als Gastredner sprechen. (dpa)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special SEEFRACHT & HÄFEN.

1000px 588px

Seefracht & Häfen, Verband – VDR, Verband – ZDS


WEITERLESEN: