Briefträger

Die Zahl der Briefsendungen wird mittelfristig zurückgehen

©Picture Alliance/dpa/Julian Stratenschulte

Der Briefmarkt wird bis 2020 in allen Segmenten schrumpfen

Der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgen hat eine Modellrechnung für Postdienste erstellen lassen.

Berlin: In seinem Bericht über Postdienste kommt der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgen zu dem Ergebnis, dass auf dem deutschen Briefmarkt keine positive Entwicklung zu erwarten ist. Bis zum Jahr 2020 ist in allen Segmenten mit Rückgängen zu rechnen. Dieses Fazit beruht auf einer Modellrechnung, die der Bundestagsausschuss erstellen ließ. 

Die geringsten Einbußen werden im Bereich der Werbesendungen erwartet, dort gehen die Experten von jährlichen Rückgängen zwischen 0,4 und 2,3 Prozent aus. Der Bereich Pressesendungen soll um 2 bis 3,2 Prozent schrumpfen. Bei der Geschäftspost an Privatpersonen ist von Veränderungen von minus 1,9 bis 3,9 Prozent auszugehen. Die private Briefpost wird um minus 1,8 bis 4 Prozent schrumpfen. Den größten Rückgang wird die geschäftliche Briefpost an Unternehmen erleiden, hier wird ein Minus von 2,4 bis 4,8 Prozent prognostiziert.

Kontinuierlicher Rückgang seit 2007

Wie es in dem Bericht heißt, erreichte das weltweite Briefaufkommen 2001 den bisherigen Höchstwert mit 434 Milliarden Briefen. Bis 2011 sei das Briefaufkommen um 70 Milliarden (16 Prozent) gesunken. In Deutschland sei noch bis 2007 ein Zuwachs bei Briefsendungen festzustellen gewesen. Seitdem seien die Briefmengen kontinuierlich zurückgegangen. Es werde jetzt von 69 Milliarden Briefsendungen ausgegangen. Mehr als die Hälfte machten Werbesendungen aus, Briefe hätten einen Anteil von 24, Zeitungen von 16 und Pakete von 3,5 Prozent.

Zu den Chancen von Postunternehmen heißt es in dem Bericht, sie könnten versuchen, ihre Geschäftsfelder offensiv aus- und umzubauen. Zu denken sei etwa an Zustell- und Abholdienste, an flexibel festzulegende Zustellorte, an die Beeinflussung der Zustellzeit sowie an Benachrichtigungen vor oder nach der Zustellung oder Abholung. Postunternehmen könnten auch Aufgaben von spezialisierten Zustelldiensten für Medikamente, Bücher, Zeitungen, Werbung und Lebensmittel mit übernehmen.  Richtungweisend könnte nach Ansicht des Ausschusses eine Ausweitung der Dienstleistungen für alte oder pflegebedürftige Menschen sein. Dienste der französischen Post, wie „Portage de Medicaments“ oder „Bonjour Facteur!“, bei denen sich die Briefzusteller an mehreren Tagen der Woche im Rahmen ihrer Zustelltouren erkundigen, ob die Kunden wohlauf sind, würden dieses Potenzial zeigen.

Auch für die Politik sehe man eine Reihe von Handlungsoptionen, heißt es weiter. Bei reduzierten Briefmengen würde zum Beispiel die EU-Postrichtlinie eine Reduzierung der Zustelltage von sechs auf fünf erlauben. Dies sei bereits in 18 europäischen Ländern der Fall. Die diskutierte Abkehr von der flächendeckenden Hauszustellung würde den Kernbestand des Universaldienstes erheblich aufweichen: „Ein Verzicht auf die flächendeckende Zustellung im Universaldienst erscheint deshalb in absehbarer Zeit als keine politisch umsetzbare Option.“  (hib/kitz)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special DEUTSCHE POST DHL.

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