Im Straßengüterverkehr tätigen Unternehmen berichten laut BAG jüngst überwiegend von einer saisonüblichen bis guten Auftragslage

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BAG-Bericht: Lage im Transportsektor bleibt weiter angespannt

Die Auftragslage im Straßengüterverkehr ist stabil. Das zeigt der aktuellste Corona-Bericht des Bundesamts für Güterverkehr. Mehrere andere Bereiche, etwa der Schienengüterverkehr, leiden allerdings spürbar unter Corona.

Köln. Trotz der seit Mitte März 2020 geltenden Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung von Sars-CoV-2 berichteten die im Straßengüterverkehr tätigen Unternehmen jüngst überwiegend von einer saisonüblichen bis guten Auftragslage. Das geht aus der neuen Marktbeobachtung des Bundesamts für Güterverkehr (BAG) für die Kalenderwoche 02/2021 hervor. Der Bericht berücksichtigt Erkenntnisse und Informationen, die bis zum 13. Januar 2021 vorlagen. Allerdings haben andere Bereiche, etwa der Kombinierte Verkehr, die Binnenschifffahrt und der Schienengüterverkehr, weiter deutlich mit den Auswirkungen von Corona zu kämpfen. Das Wesentliche aus dem BAG-Bericht im Überblick:

Probleme beim Transport von und nach Großbritannien

Im grenzüberschreitenden Verkehr zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland kam es laut BAG vor Weihnachten 2020 aufgrund der im Land aufgetauchten Mutation des Sars-CoV-2-Virus zu erheblichen Störungen. Zeitweise wurden Fähr-, Eisenbahn- und damit Straßengüterverkehrsverbindungen zwischen Großbritannien und Frankreich gesperrt. In deren Folge zogen sich Güterkraftverkehrsunternehmen zum Teil aus dem Selbsteintritt im Großbritannienverkehr zurück. Laut BAG führte das dazu, dass sich das Laderaumangebot in Richtung Großbritannien verknappte und es zu einer deutlichen Erhöhung der Frachtraten kam.

KEP-Markt profitiert von starkem Privatkundenbereich

In KEP-Branche profitieren befragte Unternehmen dem BAG zufolge weiterhin von einer überdurchschnittlich hohen Beförderungsnachfrage im Privatkundenbereich. Ebenfalls berichtete Verschlechterungen der Auftragslage wurden neben den Corona-Maßnahmen teilweise mit fehlenden Nachfrageimpulsen aus dem Weihnachtsgeschäft und saisonalen Nachfragerückgängen in einzelnen Segmenten begründet. Wiederkehrender Kritikpunkt sei gewerbeseitig das anhaltend niedrige Frachtenniveau. Die Unsicherheit bezüglich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung sei weiterhin hoch; bemängelt werde zudem eine fehlende Planungssicherheit.

Lkw-Maut-Fahrleistungsindex leicht über Vorkrisenniveau

Der bereinigte Lkw-Maut-Fahrleistungsindex liegt laut BAG im Zeitraum vom 3. Januar bis 9. Januar 2021 im Durchschnitt rund 0,5 Prozent oberhalb des Vorkrisenniveaus. Deutsche Lkw verzeichneten in diesem Betrachtungszeitraum einen Rückgang in Höhe von 1,3 Prozent, gebietsfremde Lkw einen Anstieg von rund 0,8 Prozent. Die Niveauhöhe und -änderung gegenüber dem Vorkrisenniveau werden maßgeblich durch methodische Sondereffekte in den Wochen um Weihnachten und den Jahreswechsel bestimmt, so das BAG.

Schwere Zeiten für Schienengüterverkehr – derzeit keine Besserungstendenz

Die Nachfrage nach Schienengüterverkehrsleistungen in Deutschland liegt nach Erkenntnissen des Bundesamtes aus Marktbeobachtungsgesprächen trotz gewisser Erholungstendenzen insgesamt weiterhin unterhalb des Niveaus der Vorpandemiezeit. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes lag demnach die Verkehrsleistung im Zeitraum von Januar bis Oktober 2020 um rund 6,5 Prozent unter dem Wert des entsprechenden Vorjahreszeitraums. Eine nachhaltige Verbesserung der Auftrags-, Ertrags- und Liquiditätssituation zeichnet sich laut BAG auf Grundlage der befragten Eisenbahnverkehrsunternehmen in Deutschland bislang nicht ab.

Die Gefahr von Insolvenzen in der Branche wird von den Befragten im Allgemeinen jedoch eher als gering eingeschätzt. Aufgrund der aktuellen Entwicklung der Corona-Lage rechnen befragte Unternehmen mit großen Herausforderungen in den nächsten Wochen.

Fast alle Verbindungen im Kombinierten Verkehr mit freien Kapazitäten

Im Kombinierten Verkehr bleibt die Nachfrage dem BAG zufolge ebenfalls hinter dem Vorkrisenniveau zurück. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes lag das Aufkommen an Containern und Wechselbehältern im unbegleiteten Kombinierten Verkehr im Zeitraum von Januar bis Oktober 2020 um rund 2,7 Prozent unter dem Wert des entsprechenden Vorjahreszeitraums; das Aufkommen an beförderten Sattelanhängern sank im Vergleichszeitraum um rund 3,8 Prozent. Auf fast allen Verbindungen des Kombinierten Verkehrs stehen freie Kapazitäten zur Verfügung. Wesentliche betriebliche Einschränkungen der Terminals des Kombinierten Verkehres in Deutschland seien nicht bekannt.

Binnenschifffahrt leidet unter Corona – Erholungstendenzen bei Containerbeförderungen

In der Binnenschifffahrt tätige Unternehmen berichteten zuletzt bestenfalls von einer saisonüblichen Auftragslage, so das BAG. Von einer guten aktuellen Auftragslage sprach demnach kein befragtes Unternehmen. Saisonale Rückgänge der Transportnachfrage ab Mitte Dezember aufgrund der vielen Feiertage und urlaubsbedingter Schließungen von Produktionsstätten würden nach Unternehmensangaben durch die Auswirkungen der Sars-CoV-2-Pandemie zusätzlich verstärkt. Die Containerbeförderungen würden allerdings – nicht zuletzt aufgrund des Weihnachtsgeschäfts – weitere Erholungstendenzen aufweisen.

Seehäfen müssen deutliche Rückgänge verkraften

Nach Hamburg, Rotterdam und Antwerpen haben kürzlich die Bremischen Häfen ihr Umschlagsergebnis für die ersten drei Quartale 2020 veröffentlicht. Insgesamt sank den Angaben des BAG zufolge der Seegüterumschlag in Bremen und Bremerhaven im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um rund neun Prozent. Der Containerumschlag nahm um rund 6,9 Prozent ab. Insgesamt wurden in den ersten drei Quartalen 2020 in den deutschen Seehäfen rund 9,3 Prozent weniger Güter umgeschlagen als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Nach Rückgängen in den Vormonaten legt der Seegüterumschlag seit Juli 2020 in der Tendenz absolut wieder zu.

Starke Luftfracht dank Transporten für die medizinische Versorgung

Im Luftfrachtverkehr führt die medizinische Versorgung der Bevölkerung weiterhin zu großer Nachfrage auf einzelnen Flughäfen. Das Angebot im Flugverkehr für Passagiere bewegt sich immer noch auf sehr niedrigem Niveau. Ein Ende der Entwicklung ist noch nicht abzusehen.

Logistik-Arbeitsmarkt in Deutschland weiter deutlich angespannt

Die ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung von Sars-CoV-2 hinterlassen weiterhin deutliche Spuren am Arbeitsmarkt. Nach dem hohen Anstieg im März und April 2020 im Vergleich zum jeweiligen Vormonat und den Rückgängen in den Folgemonaten weisen laut BAG sowohl die Anzahl der eingegangenen Anzeigen über Kurzarbeit als auch die Anzahl der von diesen Anzeigen betroffenen Personen seit Oktober 2020 wieder eine steigende Tendenz auf. Nach vorläufigen Angaben der Bundesagentur für Arbeit bedeuteten die im Dezember 2020 eingegangenen 1694 Anzeigen im Wirtschaftsabschnitt „Verkehr und Lagerei“ und die 24.600 hiervon betroffenen Personen die jeweils höchsten Werte der letzten sieben Monate.

Die Anzahl der Arbeitslosen in der Berufshauptgruppe „Führung von Fahrzeug- und Transportgeräten“ stieg im Vergleich zum Dezember 2019 um rund 28,9 Prozent auf 105.504, im Vergleich zum November 2020 nahm sie um rund 2,7 Prozent zu.

Den vollständigen BAG-Bericht können Sie unter folgendem Link kostenlos als PDF herunterladen: https://www.bag.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Marktbeobachtung/Sonderberichte/Corona_2021_02.html;jsessionid=ADBEF4BBD77E5169A2FC705B6687C0F9.live21303

(ja)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special LOGISTIKREGIONEN & STANDORTE.

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