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Fahrschulverbände: Gutachten zeigt Risiken digitalen Theorieunterrichts

Fahrschüler sollten auch Präsenzunterricht erhalten, so die Verbände Moving, Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände und die Deutsche Fahrlehrer-Akademie (Symbolbild) 
© Foto: iStock-459163579

Ein Gutachten der Universität Ulm kommt zu dem Ergebnis, dass ein rein digitaler Theorieunterricht das Lernen sozial oder wirtschaftlich benachteiligter Fahrschüler beeinträchtigt.


Datum:
03.06.2022
Autor:
Marie Christin Wiens
Lesezeit: 
2 min
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Das Gutachten „Theorieunterricht in Fahrschulen: Digital oder Präsenz?“ hat Professor Manfred Spitzer, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie III an der Universität Ulm erstellt, wie die Moving International Road Safety Association, die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände und die Deutsche Fahrlehrer-Akademie in einer gemeinsamen Mitteilung erklären.

Das Gutachten komme zu dem Ergebnis, dass der digitale Theorieunterricht mittelfristig ein größeres Risiko für Gefahren im Straßenverkehr darstellt: „Positive Effekte sind nicht zu erwarten“. Spitzer schätze hingegen die zu erwartenden Risiken für den einzelnen Fahrschüler und die Gemeinschaft der Verkehrsteilnehmer als erheblich ein.

„Wie das Gutachten eindeutig beweist, würde die völlige Abschaffung des Präsenzunterrichts das Unfallrisiko für Fahranfänger erhöhen, was kein positiver Beitrag zum erklärten Ziel der Vision Zero wäre“, so Gerhard von Bressensdorf, Präsident der Deutschen Fahrlehrer-Akademie.

Sozial benachteiligte Menschen härter betroffen

Durch den digitalen Theorieunterricht hätten laut Gutachten vor allem sozial und wirtschaftlich benachteiligte Fahrschüler eine geringere Chance, die Fahrerlaubnis zu erwerben. Sie müssten die sozialen Lernprozesse, die normalerweise durch den Theorie Präsenzunterricht ausreichend und nachhaltig vermitteln werden, in die praktischen Fahrstunden integrieren.

Das Ergebnis: Die Anzahl der praktischen Fahrstunden würde steigen und dadurch würden zusätzliche Kosten entstehen. Diese täfen wiederum sozial benachteiligte Menschen besonders hart.

„Der Theorieunterricht bereitet in großem Maße auf die Praxisausbildung vor. Der digitale Distanzunterricht kann diese Vorbereitung nicht mit derselben Qualität leisten wie der Präsenzunterricht, der die Lerninhalte der Theorie mit der Praxis verzahnt“, so Jürgen Kopp, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände.

Es sei zu erwarten, dass einige Inhalte nur durch zusätzliche Praxisstunden vermittelt werden könnten. „Das würde sich bei vielen Schülern deutlich auf die Führerscheinkosten auswirken“, so Kopp.

Umfrage unter Fahrlehrern: Mehrheit äußert Bedenken

Damit untermauert das Gutachten die Bedenken der Mehrheit der Fahrlehrer, so die drei Verbände. Diese hatten sich schon im Februar gegen einen rein digitalen Theorieunterricht ausgesprochen.

So bewerten laut einer aktuellen Umfrage von Moving unter 400 Fahrschulen die Mehrheit der Fahrlehrer den digitalen Theorieunterricht mit 78 Prozent als wenig nachhaltig.

80 Prozent sind der Ansicht, dass vor allem mögliche Gefahrensituationen besser oder viel besser im Präsenzunterricht vermittelt werden können.

Die Hälfte (49 %) der befragten Fahrschulen, die aktuell Online-Theorieunterricht geben, bestätigten, dass Gefahrensituationen auf digitalem Wege schlechter vermittelt werden können.

„Wir warnen eindringlich vor einer neuen Gesetzgebung, die einen Theorieunterricht ohne einen Anteil von Präsenzunterricht möglich machen würde“, so Kopp abschließend. (mwi)

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