Mobilität: Erfahrung mit Autonomen

EDGAR ist ein Pilotprojekt der TU München zur autonomen Mobilität
EDGAR ist ein Pilotprojekt der TU München zur autonomen Mobilität.
©Foto: TÜV SÜD

TÜV SÜD sieht in der automatisierten Mobilität große Chancen, vor allem für die Nutzfahrzeugbranche. Vor Kurzem erprobten TÜV-Prüferteams erstmals eine Prüfmethodik für autonome Fahrzeuge im Realverkehr. Automatisierter Regelbetrieb? TÜV SÜD wäre bereit dafür.

Ob zusammen mit dem Unternehmen Waymo, mit Mobileye, im Rahmen des Projekts ATLAS-L4 oder als Partner beim „MCube Wiesn Shuttle“ im Jahr 2024: TÜV SÜD arbeitet seit vielen Jahren mit Industrie und Forschung kontinuierlich an der Zukunft des autonomen Fahrens. „Als unsere ersten Forschungsprojekte im Bereich automatisierter Mobilität vor etwa zehn Jahren anliefen, gab es noch kaum Regularien bei diesem Thema“, erinnert sich Andreas Schäffler, Leiter Homologation Deutschland bei der TÜV SÜD Division Mobility.

Hard- und Software haben sich weiterentwickelt. Vor allem aber sehen mittlerweile die regulatorischen Rahmenbedingungen beim automatisierten Fahren hierzulande anders aus. Seit dem Jahr 2021 hat Deutschland mit einem Gesetz zum autonomen Fahren als eines der ersten Länder einen rechtlichen Rahmen für Fahrzeuge der Automatisierungsstufe 4 geschaffen. Damit ein Level-4-Fahrzeug eine Genehmigung erhält, muss es erst technisch geprüft sowie typgenehmigt werden und der Betriebsbereich muss behördlich genehmigt werden.

Für diese Betriebsbereichsgenehmigung müssen sich autonome Fahrzeuge wiederum im realen Verkehr bewähren, indem sie auf Realfahrten Sachverständige überzeugen, alle Fahraufgaben und Verkehrssituationen bewältigen zu können – auch jenseits von abstrakten Simulationsberechnungen. Genau für diese „Führerscheinprüfung“ der autonomen Art wurde Anfang Juni ein Meilenstein gesetzt: Im Rahmen der MobiCon wurde EDGAR von der TU München drei Prüferteams des TÜV Verbands für die Erprobung einer neu entwickelten Prüfmethodik auf einer sechs Kilometer langen Strecke in Berlin zur Verfügung gestellt. Die betrachteten Fahraufgaben basieren auf dem Begutachtungsleitfaden, der im Verkehrsblatt veröffentlicht wurde.

Prüfkonzept hat sich bewährt

Das Ergebnis der ersten Prüfungsfahrt dieser Art: Die Realfahrt bestätigte die Praxistauglichkeit des Prüfkonzepts. Die Messtechnik erwies sich als praxiserprobt und mit vertretbarem Aufwand in Prüfungen integrierbar. Mit den Erkenntnissen sollen die Bewertungskriterien für autonome Fahrzeuge weiterentwickelt werden – ein wichtiger Baustein für den sicheren Markthochlauf autonomer Fahrzeuge. Denn, wie Schäffler für TÜV SÜD betont: „Unser Kernauftrag ist der sichere Betrieb neuer Technologien.“

Display: Autonome Fahrzeuge müssen ihre Umgebung zuverlässig erkennen können
Autonome Fahrzeuge müssen ihre Umgebung zuverlässig erkennen können.
©Foto: TÜV SÜD

Viel Potenzial

Die größten Chancen für die auto-matisierte Mobilitätstechnologie sieht Schäffler dabei speziell für die Nutzfahrzeugbranche – und das sowohl im Güter- als auch im Personenverkehr. „Festgelegte, standardisierte Strecken lassen sich gut auf regelmäßigen Transportstrecken auf Autobahnen oder auch im ÖPNV in Innenstädten abbilden“, so Schäffler. „Zudem kann man durch effiziente, automatisierte Fahrten ohne Leerfahrten nicht nur die Nachhaltigkeit erhöhen, sondern auch der Herausforderung des Fahrermangels und dem Parkplatzpro-blem begegnen. Es braucht das Thema autonomes Fahren.“

Folglich ist TÜV SÜD gut aufgestellt im Bereich autonomes Fahren. „Wir können im Rahmen der gesetzlichen Regelung die Zulassung von entsprechenden Fahrzeugen rundum begleiten“, berichtet Schäffler – und zählt auf: „Prüfung von Safety, Cybersicherheit, Software-Updates und deren Managementsystemen sowie Bewertung des Gesamtsystems, Überprüfung der Simulation, physikalisches Testen und Bewertung des Betriebsbereichs.“ Mit anderen Worten: Für TÜV SÜD kann der Regelbetrieb von autonom fahrenden Fahrzeugen kommen.

„Und auch in allen Bereichen, die aktuell noch nicht (final) reguliert sind, können wir unterstützen und Aussagen für einen sicheren Betrieb treffen“, fügt Schäffler hinzu. Sein Fazit: „Wir stehen bereit.“ Und wenn die autonome Fahrzeugtechnologie vor zwei Jahren bereits den Mobilitätsirrsinn rund um die Wiesn in München gemeistert hat, kann man für die Prüfmethodik im Rahmen der Betriebsbereichsgenehmigung auch durchaus optimistisch sein.

Plakat von TÜV SÜD zur Mobicom
Anfang Juni fand die diesjährige Ausgabe der MobiCon in der Hauptstadt statt. Autonome Mobilität war dieses Mal der Schwerpunkt der zweitägigen Veranstaltung.
©Foto: TÜV SÜD

Statement auf der TÜV MobiCon

Die Ergebnisse der ersten Erprobung der Prüfmethodik im Rahmen einer Realfahrt wurden Anfang Juni auf der Mobilitätskonferenz TÜV MobiConvorgestellt.

Dr. Dirk Stenkamp, Präsident desTÜV Verbands, sagte im Zuge dessen: „Die Berliner Realfahrt zeigt, dass autonomes Fahren auch im komplexen Stadtverkehr technisch möglich ist. Gleichzeitig wird deutlich: Sicherheit autonomer Mobilität entscheidet sich nicht allein an der Fahrzeugtechnik, sondern daran, wie zuverlässig ein Fahrzeug seine Umgebung erkennt, Verkehrssituationen interpretiert und auf unterschiedliche Straßen- und Verkehrsbedingungen reagiert. Genau das können solche Realfahrten überprüfen.“




TÜV SÜD Ansprechpartner

TÜV SÜD Division Mobility
Regulatory Business Global
Andreas Schäffler
Leiter Homologation Deutschland
Tel.: +49 151 54333370
Mail: andreas.schaeffler@tuvsud.com




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