Managementsystem-Normen: Das Jahr der Revisionen

Fehlendes Puzzlestück im Managementsystem-Puzzle
Wenn ISO-Normen verändert werden, müssen sich Firmen vorbereiten
© Foto: DOC RABE Media/Adobe Stock

2026 wird das Jahr der Revisionen bei den Managementsystem-Normen, denn die internationalen Standards ISO 9001, ISO 14001 und ISO 45001 werden derzeit überarbeitet. Tobias Lurk von TÜV SÜD erklärt, was das bedeutet und warum sich alle Unternehmen frühzeitig damit beschäftigen sollten.

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Datum:
22.01.2026
Lesezeit:
5 min



Drei ISO-Normen werden aktuell überarbeitet, darunter die "Mutter aller Normen": die ISO 9001, die sich mit dem Qualitätsmanagement beschäftigt. Auch die ISO 14001 (Umweltmanagement) und ISO 45001 (Arbeits- und Gesundheitsschutz) stehen kurz vor Revisionen. Als Erstes wird die ISO 14001 veröffentlicht, es folgt die ISO 9001 und 2027 die ISO 45011 (s. Infokasten).

"Umweltthemen sind die größte treibende Kraft bei den aktuellen Revisionen", weiß Tobias Lurk. Der studierte Betriebswirtschaftler arbeitet seit 2010 bei TÜV SÜD und ist seit 2019 Global Product Performance Manager ISO 9001, 14001, 45001, 50001, 55001 bei der TÜV SÜD Management Service GmbH. Er spricht damit die "London Declaration" der ISO an, die bereits 2021 den Klimawandel als zentrales Thema in allen zukünftigen Normen verankerte. "Nachhaltigkeit, Resilienz, Diversität und Ethik: Durch einen Fokus auf diese Themen, durch formale Änderungen, neue Kapitel, Definitionen oder klarere Strukturen sollen Firmen besser auf globale Herausforderungen vorbereitet und klarer positioniert sein."

Unternehmen, auch und gerade solche aus der Transport- und Logistikbranche, müssen sich laut Lurk folglich mit Blick auf die Norm-Änderungen fragen, wie sie sich aufstellen, mit natürlichen Ressourcen besser umgehen, neue Anforderungen in die interne Politik integrieren und nach außen kommunizieren können. Und schließlich auch: Wie wirken sich die Änderungen auf das eigene Managementsystem aus, wie können neue Produkte, Technologien, Dienstleistungen aussehen? Aber auch: Wie trägt man (neuen) Notfallsituationen Rechnung?


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Zum Hintergrund

Die ISO (International Organization for Standardization) definiert mit branchenübergreifenden Normen international gültige und anerkannte Standards, um den globalen Handel zu erleichtern. Wer nach den einheitlichen, freiwilligen Normen zertifiziert ist, folgt nachweislich bestimmten Prozessen sowie Vorgaben und sorgt so für Vertrauen auf Kundenseite - zumal viele Kunden Zertifizierungen fordern. Unternehmen signalisieren so, sich kontinuierlich verbessern zu wollen. Die ISO revidiert Normen, wenn sie neuen Trends und Entwicklungen angepasst werden müssen, meist im Fünf- bis Zehnjahresrhythmus, wobei es auch zwischen den Revisionen zu kleineren Anpassungen kommen kann. Die ISO 9001:2015 wurde zuletzt im Jahr 2015 revidiert. In den Gremien, die eine Revision bearbeiten, befinden sich neben der ISO selbst nationale Standardgeber wie die DIN in Deutschland sowie unter anderem auch Zertifizierer wie TÜV SÜD.

Ein erteiltes Zertifikat ist drei Jahre gültig, nach zwei Überwachungsaudits erfolgt am Ende dieses Zeitraums ein Rezertifizierungsaudit. Aber keine Sorge: Ab dem Tag der Veröffentlichung einer Revision wie der neuen ISO 14001 beginnt voraussichtlich eine dreijährige Übergangsfrist. In diesem Zeitraum müssen sich die Unternehmen nach der neuen Revision auditieren lassen - wobei ein Umstieg sowohl beim Rezertifizierungs- als auch im Rahmen eines Überwachungsaudits erfolgen kann.


Normen-Zeitplan

  • ISO 14001 (Umweltmanagement): Die Version ISO 14001:2026 wird in Q1/2026 erwartet. Laut Entwurf werden die Maßnahmen gegen den Klimawandel, den die ISO bereits 2024 als Ergänzung zu all ihren Managementsystem-Normen ver-öffentlicht hatte, dabei voll in die Norm integriert. Zudem wurden die allgemeinen Anforderungen besser verständlich gestaltet.
  • ISO 9001 (Qualitätsmanagement): Die Veröffentlichung der Normversion ISO 9001:2026 wird für Herbst 2026 erwartet. Der im Sommer 2025 veröffentlichte Entwurf zeigt, dass die Änderungen, insbesondere den Bereich Klima, Trennung von Risiko- und Chancenmanagement, sowie die Ergänzung der Anforderung an eine Qualitätskultur und ethisches Verhalten betreffen. Die Änderungen sind weniger umfangreich als bei der letzten Revision.
  • ISO 45001 (Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagement): Im Laufe von 2026 wird der erste Draft der neuen Norm-Version erwartet. Der erste Entwurfsvorschlag enthielt bereits neue und geänderte Begriffe wie "Work-related Well-being", "Disability" und "External Provider" sowie neue und geänderte Kapitel. Dabei wurde Aktuelles wie Diversität und unberücksichtigte Einsprüche aus dem Jahr 2018 berücksichtigt und die "Harmonized Structure" der ISO-Normen umgesetzt. Die finale Veröffentlichung ist für 2027 geplant.


Umfassendes Portfolio

"TÜV SÜD bietet die komplette Unterstützungspalette im Bereich Normen an", so Lurk. Die TÜV SÜD Akademie informiert in Webinaren über neue Normen und hat Kurse im Angebot, in denen man sich auf eine Zertifizierung vorbereiten kann, sobald alle Details zu den Revisionen bekannt sind.

Unternehmen bleiben dank TÜV SÜD auf dem Laufenden durch Websites, die sich mit den drei Normen beschäftigen, die sich aktuell in Revision befinden - mit Neuigkeiten und Zeitplänen. So können Unternehmen mögliche Gaps zum Istzustand frühzeitig feststellen. "Die Websites für die ISO 9001 und die ISO 14001 sind bereits online, im Laufe des Jahres wird es auch eine Seite für die ISO 45001 geben", berichtet Lurk. Zudem informiert TÜV SÜD im "Value Newsletter" über Norm-Neuigkeiten (s. Infokasten).

Die Änderungen sind laut Lurk in den aktuellen Revisionen nicht so gravierend wie bei den letzten Revisionen im Jahr 2015. Dennoch sollten sich Firmen seiner Meinung nach die neue Revision zeitig anschauen, ihre bestehenden Managementsysteme auf Abweichungen prüfen und strategische Anpassungen vornehmen. "Es lohnt sich, schon frühzeitig die eigenen Führungskräfte ins Boot zu holen und alle relevanten Stakeholder für eine erfolgreiche Umsetzung frühzeitig einzubinden", sagt Lurk. Denn auch die geringen Änderungen müssen umgesetzt und zertifiziert werden - und durch eine zeitige Vorbereitung und Umsetzung kann man Verzögerungen bei der Zertifikatsausstellung verhindern.

Normen und Zertifizierungen: Nur eine lästige Pflicht? Lurk sieht das anders: "Unternehmen sollten die Änderungen nicht nur als regulatorische Pflicht, sondern als strategische Chance begreifen - insbesondere in den Bereichen Resilienz, ethische Führung und Klimaschutz." So sei man für die Zukunft gewappnet, entwickle sich beständig weiter, wirtschafte effizient und achte auf die Umwelt.


TÜV SÜD Ansprechpartner

TÜV SÜD Management
Service GmbH
Tobias Lurk
Global Product Performance
Manager ISO 9001, 14001, 45001, 50001, 55001
Mail: tobias.lurk@tuvsud.com



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