„Müde Beine, viele Steine, Aussicht keine, Heinrich Heine.“ Es war ein trüber Tag ohne jede Aussicht auf Besserung, als Heinrich Heine nach einem anstrengenden Aufstieg diesen Satz nicht ohne Anflug von Ironie ins Gipfelbuch des Brocken schrieb. Die Situation vieler Transportunternehmer könnte man trefflich mit diesem Zitat charakterisieren, hätte es nicht der oberste Nutzfahrzeug-Chef, VDA-Präsident Matthias Wissmann, in seiner IAA-Rede schon für die Nutzfahrzeughersteller in Beschlag genommen. Auch über seiner Branche schwebt seit Monaten das Damoklesschwert der Krise. Nach Jahren ungebremsten Wachstums stellt man sich auf normal schwere Zeiten ein.
Den Stoff, aus dem echte Krisen gemacht sind, liefern andere. Der amerikanische Traum – je größer die Fusion, desto schöner der Synergieeffekt – hat sich zum Albtraum entwickelt und der Staat muss nun für die Verluste einstehen. Das Vertrauen in die Finanzwelt ist dahin und Angela Merkel und ihre Amtskollegen haben die Wahl zwischen Pest und Cholera. Ohne Milliardenspritze droht eine Weltwirtschaftskrise. Mit wahrscheinlich auch, aber ein Strohhalm ist besser als gar nichts. Ein Strohhalm, auf den die Transportwirtschaft seit Jahren vergeblich wartet. Bei der anstehenden Mauterhöhung wird, wie zuvor schon bei Harmonisierung oder Infrastrukturinvestitionen, um jeden Cent gefeilscht, als wären Recht und Ordnung in Gefahr. Wenn Banker sich verzocken, wird mit anderem Maßstab gemessen, mit anderen Summen allemal.´
Noch kann niemand absehen, welche Auswirkungen die Finanzkrise auf die Logistikbranche haben wird, sicher dürfte sein: Sie werden unangenehm. Finanzspritzen vom Staat sind eher unwahrscheinlich und die drei Erfolgsfaktoren werden lauten: Liquidität, Liquidität, Liquidität.
Anita Würmser, Chefredakteurin VerkehrsRundschau