Nach Jahren der Wachstumseuphorie stehen die Nutzfahrzeughersteller vor einer der größten Krisen seit Jahrzehnten. Im Frühjahr noch in Jubellaune, im Sommer schon im Tal der Tränen. Dramatisch eingebrochene Auftragsbestände – von bis zu 80 Prozent ist die Rede – Kurzarbeit, Personalabbau, und glaubt man den Experten, ist das erst der Anfang einer weltweiten Automobilrezession, die bis 2010 anhalten soll.
Kein Wunder, die Frachtführer sind momentan trotz historisch hoher Rabatte von bis zu 60 Prozent auf LKW alles andere als in Kauflaune. Auch dort stellt man sich im Angesicht steigender Kosten und nachlassender Konjunktur auf ein hartes Jahr ein. Wenngleich immer noch ein Fünkchen Hoffnung keimt, dass die Länder im Bundesrat die Mauterhöhung doch noch kippen. Sowohl Daimler als auch MAN haben hinter den Kulissen ihr Gewicht in die Waagschale geworfen, um die Mauterhöhung ein Jahr zu verschieben. Ein Zeichen der Solidarität, das Anerkennung verdient.
Die Konjunktur ist weltweit im Sinkflug und schon machen Vergleiche mit der Weltwirtschaftskrise in den 20ern die Runde. Die BRIC-Erfolgsgeschichte (Brasilien, Russland, Indien, China) ist beendet und so der Traum vom globalen Logistikanbieter vorerst ausgeträumt. Ein Düsterszenario wabert über der Logistikbranche wie eine Schlammschicht und erzeugt langsam einen Fatalismus an der Grenze zur Untergangsstimmung. Dynamisch ist anders.
Ganz andere Töne kamen vergangene Woche aus Berlin. Dort trifft sich alljährlich die Crème de la Crème der Logistikdienstleister zum Networking beim Deutschen Logistik-Kongress, so etwas wie dem Katholikentag der Logistiker. Finanzkrise und Rezessionsängsten zum Trotz bejubelte man dort die Wachstumspotenziale und die guten Aussichten. Sicher mehr Wunsch als Wirklichkeit, aber Schwarzmalen gilt nicht. Die Strategie macht Sinn: Denn Glaube kann bekanntlich Berge versetzen und Geschäfte macht man eben lieber mit Gewinnern.
Anita Würmser, Chefredakteurin VerkehrsRundschau