EU will Genehmigungen für Stromnetze deutlich beschleunigen

03.07.2026 13:00 Uhr | Lesezeit: 3 min
Industriehalle mit Strommmast
Vereinfachte Genehmigungen sollen den Ausbau von Ladeinfrastruktur, Energiespeichern und Stromnetzen beschleunigen (Symbolbild)
© Foto: Sven Simon/Frank Hoemann/picture alliance

Das Europäische Parlament macht Tempo beim Ausbau der Energieinfrastruktur. Neue Regeln sollen Genehmigungsverfahren für Stromnetze, erneuerbare Energien, Speicher und Ladeinfrastruktur deutlich verkürzen. Ziel ist es, Investitionen zu beschleunigen, Energiepreise zu senken und die Versorgungssicherheit in Europa zu stärken.

Genehmigungen für Stromnetze und Projekte im Bereich erneuerbarer Energien sollen in der Europäischen Union künftig deutlich schneller erteilt werden. Der Industrieausschuss des Europäischen Parlaments (ITRE) hat einen Gesetzesvorschlag unterstützt, der Genehmigungsverfahren verkürzen und den Ausbau der Energieinfrastruktur beschleunigen soll. Die geplanten Regeln betreffen neben Stromnetzen auch Energiespeicher, Ladeinfrastruktur und Wärmepumpen. Ziel ist es, bestehende Engpässe beim Ausbau der Energieversorgung abzubauen, Energiepreise zu senken und die Versorgungssicherheit in Europa zu stärken.

Kürzere Fristen für Genehmigungen

Kern der Reform sind kürzere Bearbeitungszeiten und vereinfachte Verfahren. Geplant ist ein zentrales digitales Portal in jedem Mitgliedstaat, über das sämtliche Genehmigungsschritte abgewickelt werden können. Für Stromnetzinfrastruktur soll zudem ein eigener europäischer Genehmigungsrahmen geschaffen werden. Nach dem Willen der Europaabgeordneten sollen Netzanschlussverfahren künftig in der Regel nicht länger als drei Monate dauern. Wird eine Frist überschritten, könnten bestimmte Vorhaben automatisch als genehmigt gelten. Für neue Netzanschlüsse werden je nach Standort und Technologie Fristen von sechs bis neun Monaten vorgesehen.

Mehr Spielraum für Speicher und Ladeinfrastruktur

Auch Betreiber von kleinen Solaranlagen, Energiespeichern und Ladeinfrastruktur sollen von den Änderungen profitieren: Die Leistungsgrenze, ab der eine Genehmigung erforderlich wird, soll von derzeit 100 auf 200 Kilowatt angehoben werden. Für Ladeeinrichtungen mit einer installierten Gesamtleistung von bis zu einem Megawatt auf bestehenden künstlichen Flächen oder Bauwerken sollen künftig keine behördlichen Genehmigungen mehr notwendig sein. Die Maßnahme soll insbesondere den Ausbau öffentlicher und gewerblicher Ladeinfrastruktur erleichtern.

Wärmepumpen schneller genehmigen

Beschleunigt werden sollen zudem die Verfahren für Wärmepumpen. Für Anlagen mit einer Leistung von weniger als 50 Megawatt sieht das Europäische Parlament eine Genehmigungsfrist von einem Monat vor. Für Erdwärmepumpen soll die Frist drei Monate betragen. Auch hier könnte eine Genehmigung automatisch als erteilt gelten.

Kommunen sollen stärker profitieren

Die Europaabgeordneten sprechen sich außerdem dafür aus, Anwohner und Kommunen stärker an den wirtschaftlichen Vorteilen von Energieprojekten zu beteiligen. Die Schwelle für verpflichtende Beteiligungsmodelle soll von zehn auf sieben Megawatt sinken. Energiegemeinschaften sowie von Bürgern initiierte Projekte sollen von dieser Verpflichtung ausgenommen bleiben. Nach Ansicht des Parlaments sollten insbesondere vulnerable Haushalte angemessen von den wirtschaftlichen Erträgen neuer Energieprojekte profitieren.

Lange Verfahren bremsen den Netzausbau

Hintergrund der Initiative sind die weiterhin langen Genehmigungszeiten für Energieprojekte in Europa. Nach Angaben des Europäischen Parlaments dauert der Ausbau von Stromübertragungsnetzen häufig rund zehn Jahre. Mehr als die Hälfte dieser Zeit entfällt auf Genehmigungs- und Verwaltungsverfahren. Auch Projekte für erneuerbare Energien benötigen abhängig von Mitgliedstaat und Technologie teilweise mehrere Jahre bis zur Genehmigung. Die EU-Kommission möchte mit der Reform deshalb einen schnelleren Ausbau von Stromnetzen, erneuerbaren Energien und Speicherkapazitäten ermöglichen.

Der Industrieausschuss hat dem Vorschlag mit großer Mehrheit zugestimmt. Nun sollen die Verhandlungen mit dem Rat der Europäischen Union beginnen.


Kennen Sie schon unseren VR-Rechtsblog?

In unserem VR-Rechtsblog klärt Logistikrechts-Experte und Rechtsanwalt Prof. Axel Salzmann über Vertragsangelegenheiten, Urteile, Versicherungen und vieles mehr rund um Unternehmungsführung und Speditionsalltag auf. Der Zugang zu unseren Blogs ist für Abonnenten kostenfrei. Ein unverbindliches, zwei-monatiges Kennlern-Abo können Sie gerne hier abschließen. 

Sie haben Fragen oder Themen für einen Rechtsblog, die sich unser Expertenteam genauer ansehen soll? Dann schreiben Sie uns gerne eine Mail an verkehrsrundschau@tecvia.com oder wenden Sie sich direkt an unsere Rechtsredakteurin Marie Christin Wiens.


MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Die VerkehrsRundschau ist eine unabhängige und kompetente Abo-Fachzeitschrift für Spedition, Transport und Logistik und ein tagesaktuelles Online-Portal. VerkehrsRunschau.de bietet aktuelle Nachrichten, Hintergrundberichte, Analysen und informiert unter anderem zu Themen rund um Nutzfahrzeuge, Transport, Lager, Umschlag, Lkw-Maut, Fahrverbote, Fuhrparkmanagement, KEP sowie Ausbildung und Karriere, Recht und Geld, Test und Technik. Informative Dossiers bietet die VerkehrsRundschau auch zu Produkten und Dienstleistungen wie schwere Lkw, Trailer, Gabelstapler, Lagertechnik oder Versicherungen. Die Leser der VerkehrsRundschau sind Inhaber, Geschäftsführer, leitende Angestellte bei Logistikdienstleistern aus Transport, Spedition und Lagerei, Transportlogistik-Entscheider aus der verladenden Wirtschaft und Industrie.