London/Moskau/Helsinki. Von dem verschollenen Frachter „Arctic Sea“ fehlt nach Angaben des internationalen Schifffahrtsbüros weiter jede Spur. Auch die finnische Reederei des Frachters mit 15 russischen Seeleuten an Bord sprach heute weiter von einem Rätsel. Unterdessen brachte ein russischer Experte einen politischen Hintergrund für das mysteriöse Verschwinden ins Spiel. „Ich gehe davon aus, dass die Behörden längst wissen, wo das Schiff ist“, sagte der Vizechef der russischen Seefahrergewerkschaft, Sergej Portenko, der Moskauer Boulevardzeitung „Moskowski Komsomolez“. Nach seiner Vermutung soll vertuscht werden, dass die „Arctic Sea“ Waffen für Afrika geladen hatte. Nach einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ sollte die „Arctic Sea“ in der Nähe der Kapverdischen Inseln vor der westafrikanischen Küste gesehen worden sein. Dafür gab es jedoch keine Bestätigung. Auch das Schifffahrtsbüro der internationalen Handelskammer hatte darüber keinerlei Erkenntnisse. Am Vortag hatten Medien von Sichtungen der „Arctic Sea“ südlich von Gibraltar und in der nordspanischen Küstenstadt San Sebastián berichtet. Das unter maltesischer Flagge fahrende Schiff, das Holz im Wert von über einer Million Euro nach Algerien bringen sollte, ist seit gut zwei Wochen verschwunden. Den letzten offiziellen Funkkontakt zur „Arctic Sea“ hatte die britische Küstenwache am 28. Juli in der Straße von Dover. Die Küstenwache schließt eine Entführung durch Seeräuber nicht aus. Die finnische Reederei wollte sich nicht an Spekulationen über eine mögliche Entführung ihres Schiffs beteiligen. „Ich kann da keine Vermutungen anstellen“, sagte Schiffseigner Viktor Matwejew. „Es ist ein Rätsel, eine außergewöhnliche Situation.“ Der Direktor der Reederei Solchart Management Ltd. zeigte sich erfreut, dass sich die russische Marine an der Suche nach dem Schiff beteiligt. Mit Blick auf die 15-köpfige Besatzung fügte er hinzu: „Wir hoffen und beten.“ Mittlerweile spekulieren auch russische Zeitungen, dass die Besatzung in Lebensgefahr sein könnte. „Wenn bei dieser Sache wirklich ‚wichtige Leute‘ ihre Finger im Spiel haben, dürfte man die Besatzung als Zeugen wohl aus dem Weg räumen“, stellte „Moskowski Komsomolez“ fest. Der 50 Jahre alte Kapitän Sergej Serezki gilt russischen Medien zufolge als erfahrener Seemann. Nach Angaben der „Arctic Sea“-Betreibers befindet sich das Schiff in einem technisch einwandfreien Zustand und ist mit Treibstoff und Nahrung für etwa 40 Tage ausgestattet. (dpa)
Verschwinden der „Arctic Sea“ bleibt mysteriös
Keine Spur vom verschwundenen Holzfrachter: Russischer Gewerkschafter vermutet Waffenlieferung nach Afrika