Unsicherheiten werfen Schatten auf Post-Zahlen

31.07.2008 14:55 Uhr
Post-Chef Frank Appel
Post-Chef Appel stellt Jahresprognose unter Konjunkturvorbehalt
© Foto: ddp

Gleich mehrere Unsicherheiten machen derzeit der Deutschen Post zu schaffen und sorgen für Zurückhaltung bei den Anlegern

Bonn. Gleich mehrere Unsicherheiten machen derzeit der Deutschen Post zu schaffen und sorgen für Zurückhaltung bei den Anlegern. Für den anvisierten milliardenschweren Verkauf der Tochter Postbank und das defizitäre US-Geschäft konnte Post-Vorstandschef Frank Appel bei der Vorlage der Halbjahreszahlen am Donnerstag in Bonn noch keine fertigen Lösungen oder nahen Entscheidungen präsentieren. Außerdem droht sich ein schlechteres wirtschaftliches Umfeld mit abgeschwächter Weltkonjunktur auf das Geschäft des global tätigen Logistikkonzerns verstärkt negativ auszuwirken. Wegen weiteren Verlusten im US-Geschäft und erneuten Millionen- Abschreibungen bei der Postbank im Zuge der internationalen Finanzkrise verzeichnete die Post im zweiten Quartal 2008 einen Gewinnrückgang. Gleichwohl sprach Appel angesichts eines schwierigen Marktumfelds von einem „soliden operativen Wachstum“ und sehr gutem Ergebnis. „Unsere Strategie des globalen Wachstums geht voll auf.“ Langfristig bleibe die Logistik eine Wachstumsbranche. Die Post-Aktie verzeichnete an der Börse vorübergehend einen überraschend starken Einbruch um fast fünf Prozent auf unter 15 Euro. Auch die zurückhaltenden Aussagen von Post-Chef Appel, der die angekündigte weitere Ergebnis-Entwicklung ausdrücklich unter einen Konjunktur-Vorbehalt stellte, dämpfte die Erwartungen. Zu den weiteren Unsicherheiten im Post-Geschäft zählen die laut Appel nach wie vor offene Situation beim anvisierten Verkauf der Finanztochter Postbank, die sich bei dem Geldinstitut weiter auswirkende internationale Finanzkrise und vor allem das defizitäre US-Geschäft, wo die Post allein in diesem Jahr einen Verlust von 1,3 Milliarden Dollar verkraften muss. Ein möglicher Verkauf der Postbank durch ihren Mehrheitseigner Deutsche Post ist laut Appel auch nach wochenlangen intensiven Gesprächen mit Interessenten weiter offen. „Eine Entscheidung zum heutigen Zeitpunkt ist nicht gefallen.“ Wann und ob die Postbank verkauft werde, sei „momentan noch offen“. Auch einen Rückzieher schloss Appel nicht aus. Falls die Post zum Ergebnis komme, dass der Zeitpunkt für einen Verkauf momentan nicht günstig sei, „stehen wir nicht unter Druck“. Der Umbau von DHL-Express in den USA verlaufe planmäßig, sagte Appel. Auch die Verhandlungen mit der US-Gesellschaft UPS, die in den USA künftig die Luftfracht von DHL übernehmen soll, verliefen zufriedenstellend. Es gebe aber keinen Termin für einen Abschluss. Er erwarte auch keine größeren Schwierigkeiten bei der Umstrukturierung, die vor allem wegen des einhergehenden Arbeitsplatzabbaus am Luftdrehkreuz im Bundesstaat Ohio in den USA auf Kritik stieß. Die Post stehe hier in einem „intensiven Dialog mit der Politik“, sagte Appel. Angesichts der hohen Verlust in den USA müsse das Management aber mit „drastischen Maßnahmen“ vorgehen, sonst seien noch mehr Arbeitsplätze gefährdet. Unterm Strich sank der Überschuss im zweiten Quartal von 285 auf 254 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) schrumpfte im zweiten Quartal um 4,4 Prozent auf 672 Millionen Euro (2007: 703 Millionen Euro). Beim Ebit drückten Abschreibungen bei der Postbank in Höhe von 143 Millionen Euro sowie Umbaukosten für die US- Expresssparte von 47 Millionen Euro auf das Quartalsergebnis. Das Ebit vor solchen Sonderposten, das die Post als Kernindikator für die geschäftliche Entwicklung betrachtet, erhöhte sich um 19 Prozent auf 862 Millionen Euro (2007: 727 Millionen Euro). Gut behaupten konnte sich die Post im Briefgeschäft, wo der Markt sei Jahresöffnung völlig geöffnet ist. Allerdings wurde hier die Konkurrenz durch die Einführung eines Mindestlohns ausgebremst. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr um 3,4 Prozent auf 32 Milliarden Euro. Das Ebit fiel um 11 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Der Nettogewinn sank in den ersten sechs Monaten um 16 Prozent auf 661 Millionen Euro. Appel bekräftigte das Ziel, im Gesamtjahr 2008 ein Ebit vor Sonderposten von 4,1 Milliarden Euro und in 2009 von 4,7 Milliarden Euro zu erwirtschaften. Die Prognosen stünden aber unter dem Vorbehalt, dass es «keine weiteren signifikanten Verschlechterungen in der Weltkonjunktur» gebe. (dpa/sv)

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