Hannover. Bei der Suche nach Verbündeten zur Abwehr einer feindlichen Übernahme des TUI-Konzerns sieht der Betriebsrat die Länder in der Pflicht. Angesichts von mehr als 6000 Arbeitsplätzen in der Zentrale in Hannover und bei Hapag Lloyd in Hamburg seien die Landesregierungen „strategisch und moralisch“ in der Verantwortung, sagte der Betriebsratsvorsitzende des Reiseveranstalters TUI Deutschland, Christian Kuhn, der dpa am Mittwoch in Hannover. Sie müssten zumindest über einen Einstieg nachdenken, sagte er. Es gehe schließlich auch darum, die Jobs im eigenen Land zu halten. Bei einer Übernahme könnte die Zentrale auch ins Ausland abwandern.
Die niedersächsische Landesregierung ist dagegen generell der Meinung, dass man andere Wege suchen sollte, um den Wettbewerb zu sichern. Das gelte für alle Fälle, bei denen es um einen Einstieg der öffentlichen Hand an einem privaten Unternehmen gehe, sagte eine Regierungssprecherin. Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) führe Gespräche mit der TUI-Spitze. Über deren Inhalt teilte sie aber nichts mit. Zuvor hatte es in der Landesregierung geheißen, eine Anfrage der TUI nach einer Beteiligung sei nicht bekannt.
Wulff selbst nannte einen Einstieg des Landes „sehr unwahrscheinlich“. Im NDR-Fernsehen sagte er: „Wir beobachten die Entwicklung seit Jahren mit großer Sorge, wir wollen eine Zerschlagung des Konzerns verhindern.“ Darüber sei man mit der Konzernführung in Gesprächen. Dennoch könne nicht der erste Schritt sein, „dass jetzt der Staat ins Tourismusgeschäft einsteigt“.
TUI-Vorstandschef Michael Frenzel bemüht sich bereits seit einiger Zeit um die Rückendeckung von Investoren, um eine feindliche Übernahme und Zerschlagung des Konzerns zu verhindern. Schon auf der vergangenen Hauptversammlung im Mai hatten Fondsgesellschaften eine Aufspaltung der beiden Sparten Touristik und Schifffahrt gefordert. Die Einzelteile seien mehr wert und versprächen eine bessere Kursentwicklung an der Börse als der Gesamtkonzern, argumentieren sie.
Aus Sorge um eine feindliche Übernahme, eine Abspaltung der Hamburger Reederei Hapag Lloyd und die große Zahl von Jobs, die dann auf dem Spiel stünden, habe die Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat die Initiative ergriffen und schon vor Frenzel mit Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust gesprochen, berichtete Kuhn. Dabei sei es um eine Beteiligung von zehn Prozent gegangen, wie die Hansestadt sie vor einigen Jahren auch dem Kosmetikunternehmen Beiersdorf zugesagt hatte, um eine Übernahme durch Procter & Gamble zu verhindern. Eine ähnliche Zusage wünsche man sich auch aus Niedersachsen.
Kuhn sagte, er sei zuversichtlich, dass sich Anteilseigner finden ließen, die mit insgesamt 30 Prozent die Gefahr einer feindlichen Übernahme und Zerschlagung des Konzerns eliminieren könnten. Bisher sind die spanische Hotelierfamilie Riu und die Bank Caja de Ahorros del Mediterrano die größten Aktionäre. Sie halten zusammen aber nur zehn Prozent der Aktien. (dpa)