Stern: Deutsche Bahn beteiligt sich am Massentiertransport

14.12.2000 19:49 Uhr

Schlachtrindertransport innerhalb eines Jahres fast verdoppelt

Die Deutsche Bahn beteiligt sich wieder am unter skandalösen Bedingungen durchgeführten internationalen Massentiertransport. Das ergaben Recherchen des Magazins Stern in Emden und im kroatischen Hafen Rasa. Die Deutsche Bahn hat den Schlachtrindertransport innerhalb eines Jahres mit über 35.000 Tieren fast verdoppelt. 1999 transportierte die Bahn 19.000 Tiere. Dass die Bahnwagen für den Schlachtviehtransport nicht geeignet sind, wird von der Deutschen Bahn bestritten. Die Waggons seien "spezielle Wagen für Tiertransporte" und verfügten über die entsprechenden Fütterungs- und Tränkeeinrichtungen, sagte Sabine Großkopf, Pressesprecherin der DB Cargo, dem Stern. Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, widersprach: "Die Waggons sind abgeteilt mit Holzpaletten, ohne richtige Lüftung, mit vier alten Blechfässern als Tränke." Ein Stern-Mitarbeiter, der im November Transporte von Niedersachsen an die Adria begleitete, schildert seine Beobachtungen in der neuen Ausgabe des Magazins: "Links und rechts im Wagen standen je neun Rinder. Abgeteilt war der Waggon durch zwei Holzpaletten mit einer Aussparung, durch die die Rinder den Kopf stecken konnten, um an die vier Blechtonnen in der Mitte des Waggons zu kommen. Doch die Fässer waren schon in Salzburg nur noch halb voll. Manches Tier kam mit der Zunge nicht mehr ans Wasser." Die Deutsche Bahn sagt dazu, die Versorgung der Tiere sei "Sache des Verladers". Auch die Verladung vom Zug auf die Frachtschiffe in den Libanon oder nach Ägypten verläuft in einer für die Schlachtrinder qualvollen Prozedur. Bullen, die sich beim Entladen vom Zug die Hüfte brechen, werden mit einem Tau um den Vorderfuß an Deck gehievt, wobei sie mehrmals gegen Aufbauten knallen. Für jedes ausgeführte Rind werden zur Zeit 500 Mark EU-Subventionen gezahlt. Eine ganze Zugladung belohnt die EU mit rund 190.000 Mark aus der Steuerkasse. Angesichts der BSE-Krise wurde die Exportprämie erst kürzlich um 15 Prozent erhöht. (dpa)

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