Berlin. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) verschärft den Druck auf die Automobilindustrie, zur Verringerung von Schleudergefahren alle Neuwagen serienmäßig mit elektronischen Stabilitätssystemen auszurüsten. Stolpe setzte den Herstellern am Donnerstag eine Frist von sechs Monaten, in denen sie sich dazu selbst verpflichten. „Andernfalls werde ich alle notwendigen Maßnahmen auf europäischer Ebene ergreifen, um eine gesetzliche Regelung zu erreichen. Auch eine nationale Regelung schließe ich nicht aus.“ Der Verband der Automobilindustrie (VDA) unterstützt die Forderung Stolpes. Ein Sprecher äußerte die Erwartung, dass die deutschen Hersteller „in kürzester Zeit“ alle Neuwagen mit elektronischen Stabilitätssystemen ausrüsten werden. Laut Stolpe wird sich die serienmäßige ESP-Ausstattung zu einem deutlichen Marktvorteil für die deutsche Automobilindustrie und zum Exportschlager in Europa und in die USA entwickeln. Während der Automobilclub AvD von „Wahlkampf-Aktionismus“ des Ministers sprach, begrüßte der Verkehrssicherheitsrat Stolpes Initiative. Die Systeme sollten in alle PKW, Busse und LKW eingebaut werden. „Mindestens 20 Prozent aller Schleuderunfälle könnten durch diese Technik vermieden werden“, so DVR-Hauptgeschäftsführer Christian Kellner. In anderen Studien sei sogar von 40 bis 45 Prozent die Rede. Unfallforscher und Versicherer hätten laut DVR errechnet, „dass die Ausrüstung aller LKW mit ESP 100 Verkehrstote und 500 Schwerverletzte pro Jahr verhindern würde“. Bei einer 100-prozentigen Ausrüstung mit ESP würde der Rückgang getöteter PKW-Insassen bei 15 bis 20 Prozent liegen – „das hieße jedes Jahr 800 PKW-Tote weniger“, so Keller. (dpa/sb)
Stabilitätssysteme: Stolpe stellt Herstellern Ultimatum
Innerhalb von sechs Monaten müssen alle Neufahrzeuge serienmäßig mit Stabilitätssystemen ausgerüstet sein