Paris. Folgen französische Regierung und Staatsbahn SNCF der Empfehlung eines Gutachtens des Bahnexperten Hubert Haniel, erhält die Gruppe demnächst eine Regulierungsstelle. Unter dem Namen Exploitation du réseau ferré national (ENCF) soll sie in völliger Unabhängigkeit über den jeweiligen Streckennutzungsbedarf seitens der Staatsbahn und ihrer privaten Konkurrenten entscheiden. Die ENCF soll ebenfalls über die Kapazitäten entscheiden, welche der Infrastruktur-Eigner Réseau Ferré de France (RFF) für die Durchführung von Streckenarbeiten benötigt. Haenel kritisiert, dass der Gesetzgeber seinerzeit bei der Trennung von Infrastruktur und Fahrbetrieb nicht die Weichen für ein leistungsstarkes Bahnsystem geschaffen habe, sondern einen permanenten Kompetenz- und Interessengegensatz zwischen RFF und SNCF. Die Folge sei unter anderem, dass momentan 15 bis 20 Prozent des Netzes nicht voll genutzt würden. 14.000 Mitarbeiter vom aktuellen SNCF-Betriebspersonal will Haenel in die Dienste von ENCF überführen, später neu eingestellte Eisenbahner würden dann unter privates Arbeitsrecht fallen. Gewerkschaftsführer Didier Le Reste (CGT) hat den Haenel-Vorschlag prompt als „casus belli“ qualifiziert, wie die Zeitung „Les Echos“ berichtet. (jb)
SNCF: Gutachten empfiehlt unabhängige Regulierungsstelle
Regulierer soll als Mittler zwischen Schienennutzungsbedarf und Infrastruktureigner fungieren