Hamburg. Rote Zahlen in der erfolgsverwöhnten Schifffahrtssparte und neue Terrorängste bescheren dem Touristik- und Schifffahrtskonzern TUI einen schwarzen Tag. Nach einer Gewinnwarnung brach die Aktie in Frankfurt heute ein. Die TUI-Schifffahrtssparte schrieb im zweiten Quartal trotz höherer Umsätze Verluste. Das schwache Ergebnis der Sparte im ersten Halbjahr ist nach Ansicht des TUI-Vorstands auf das Zusammentreffen von drei Einzelfaktoren zurückzuführen. Operativ, also im eigentlichen Geschäft, sei die Sparte im Plus. Zum einen komme die Eingliederung der neu erworbenen Containerreederei CP Ships schneller voran als geplant und auch die Kosten würden früher fällig, als es die TUI-Reederei Hapag-Lloyd erwartet hatte. Insgesamt beziffert TUI die Integrationskosten auf 70 Millionen Euro im ersten Halbjahr. Die vorgezogenen Kosten fallen später nicht mehr an; die Einsparungen, die Hapag-Lloyd erreichen will, kommen etwas früher. Zum anderen seien die Frachtraten, die Preise für den Schiffstransport, bei Hapag-Lloyd im zweiten Quartal leicht um 1,8 Prozent gefallen, obwohl die riesigen Containerfrachter zu 90 bis 95 Prozent ausgelastet fahren. Ein Sprecher des Unternehmens nannte diese Preisentwicklung „irrational“. Angesichts des bevorstehenden Weihnachtsgeschäfts rechnet die Branche bis zum Jahresende mit einer Stabilisierung der Frachtraten. Schließlich mache der TUI-Schifffahrt der stark steigende Ölpreis zu schaffen. Viele Reedereien können die höheren Kosten für Schiffsdiesel nicht so schnell an ihre Kunden weiterreichen, wie es erforderlich wäre, um Auswirkungen auf das Ergebnis zu vermeiden. Die Schifffahrtsbranche ist weltweit seit Jahren auf Wachstumskurs. Der durch die Globalisierung zunehmende Welthandel und der immer effizientere und kostengünstigere Containertransport beschert Reedern und Häfen konstante Wachstumsraten von rund zehn Prozent und in guten Jahren auch mehr. Diese Entwicklung wird sich nach Ansicht aller einschlägigen Studien auch in den kommenden Jahren fortsetzen, da der Welthandel weiter wächst und immer mehr Güter in Containern transportiert werden. Im laufenden Jahr lautet die Prognose auf ein Plus im Containertransport von rund acht Prozent, was knapp 100 Millionen transportierte Standardcontainer (TEU) weltweit bedeuten würde. Trotz des jahrelangen Wachstums sehen die meisten Experten auch Risiken für die Schifffahrt: Ein Einbruch der Weltkonjunktur könnte zu einem abgeschwächten Wachstum des Welthandels führen. Zudem sind weltweit auf den Werften mehr als 1200 Containerschiffe in Bau; die Transportkapazität wird bis 2008 um rund 50 Prozent zunehmen, heißt es in einer Studie der Deutschen Bank. Ob der Markt diese Kapazitäten aufnehmen kann, ohne dass ein Preisverfall folgt, ist offen. Und schließlich haben viele Häfen und ihre Straßen- und Schienenanbindungen die Grenzen ihrer Aufnahmefähigkeit erreicht. Der Ausbau der Infrastruktur geht an vielen Orten nicht schnell genug voran, so dass es zu Engpässen kommt, ergab eine Studie der HypoVereinsbank. (dpa/tz)
Schwarzer Tag für TUI
Negative Halbjahresbilanz: Rote Zahlen in der erfolgsverwöhnten Schifffahrtssparte des Touristikkonzerns