Berlin. Bahnchef Rüdiger Grube hat erneut die Bahnindustrie für die aktuellen Probleme im Schienenverkehr verantwortlich gemacht. Die Hersteller hätten nicht die Qualität geliefert, die die Bahn eingekauft habe. Derzeit müssten alle Radachsen und Radscheiben ausgewechselt werden, sagte Grube am Sonntag im Deutschlandfunk. „Das ist ein Prozess, der sich weit in das Jahr 2011 hinziehen wird.“ Grube bestritt zugleich einen Zusammenhang zwischen den massiven Problemen bei der Bahn und dem gescheiterten Börsengang. Eine Teilprivatisierung bleibe zudem eine Option, auch wenn sie derzeit nicht auf der Agenda stehe. Der Bahnchef räumte aber ein, dass die Bahn angesichts der vielen Verspätungen und Zugausfälle einen Imageschaden erlitten habe. Er schloss dennoch weitere Preisanhebungen in diesem Jahr nicht aus. „Das schauen wir uns im Herbst an, wenn wir vor dieser Entscheidung stehen.“ Grube bestritt, dass es bei der Bahn angesichts der knapper werdenden Mittel eine interne Strichliste gebe. Es existiere lediglich eine Übersichtsliste mit verschiedenen Projekten, deren Umsetzung geprüft werde, sagte er. Entschieden sei aber noch nichts. Grube verteidigte auch das umstrittene Großprojekt „Stuttgart 21“: Die Finanzierung sei auch trotz bestehender Risiken gedeckt. Grube bekräftigte, dass der Konzern im zurückliegenden Geschäftsjahr schwarze Zahlen geschrieben habe. Er warnte aber vor überzogenen Erwartungen: 2010 werde es nur eine leichte Erholung geben. Selbst 2014 werde die Bahn noch immer zehn Prozent unter ihrem Transportvolumen von 2007/2008 liegen. (dpa)
Schienenverkehr: Bahnchef macht Industrie für Probleme verantwortlich
Grube räumt Imageverlust der Bahn ein / Kein Zusammenhang zwischen massiven Problemen und gescheiterten Börsengang