Rostock/Berlin. Die Deutsche Bahn hat als frühere Miteigentümerin der Fährreederei Scandlines Aufklärung in der Frage um den künftigen Standort des Unternehmens gefordert. Ein Bahnsprecher bestätigte heute eine Meldung der „Ostsee-Zeitung“. Vor zwei Jahren hatten die Deutsche Bahn und das dänische Verkehrsministerium die Reederei für 1,56 Milliarden Euro an drei private Gesellschafter verkauft. Dabei waren früheren Angaben zufolge umfangreiche Garantien für Standort und Beschäftigung vereinbart worden. Details dazu wollte der Bahnsprecher nicht nennen. Scandlines plant, die Verwaltung von Rostock nach Puttgarden (Schleswig-Holstein) zu verlegen, rund 70 Mitarbeiter seien davon betroffen. Gleichzeitig sollen 400 der insgesamt 2400 Stellen im Konzern abgebaut werden. Nach Scandlines-Angaben laufen derzeit noch die Verhandlungen zwischen Arbeitnehmervertretung und Unternehmensführung. Laut „Ostsee-Zeitung“ schätzt Betriebsratschef Detlef Kobrow die Chance, Scandlines noch umzustimmen, als eher gering ein. Das Fährunternehmen schreibt wegen der internationalen Wirtschaftskrise und niedrigen Frachtaufkommens rote Zahlen. Scandlines gehört den Finanzinvestoren Allianz Capital Partners und 3i aus Großbritannien (je 40 Prozent) sowie der Deutschen Seereederei (DSR) in Rostock. Nach dem Verkauf drückten 1,1 Milliarden Euro Schulden auf die Bilanz, im vergangenen Jahr mussten 71 Millionen Euro an Zinsen gezahlt werden. Dies entsprach mehr als der Hälfte des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Höhe von 139 Millionen Euro. In den vergangenen Wochen war Scandlines mehrfach aus der Politik aufgefordert worden, die Entscheidung für Puttgarden zu überdenken. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte jüngst in Rostock: „Ich bin an der Seite derjenigen, die dafür kämpfen, dass der Standort in Rostock bleibt“. (dpa)
Scandlines soll Standortfrage klären
Ex-Miteigentümerin Deutschen Bahn verlangt Antwort von Finanzinvestoren