Katar/Luxemburg. Nur siebzehn Monate hielt die Beziehung zwischen der arabischen Airline und dem luxemburgischen Frachtflieger. Am vergangenen Freitag erklärte Qatar Airways Chef Akbar Al Baker im Anschluss an eine Krisensitzung am Flughafen Luxemburgs die Trennung und den Verkauf des von seiner Airline gehaltenen Anteils von 35 Prozent an Cargolux. Diesen hatten die Katarer auf Drängen und Empfehlung der Luxemburger Regierung im Juni 2011 für 117 Millionen US-Dollar übernommen.
Zum Bruch war es gekommen, weil die Mehrheit der Anteilseigner (65 Prozent), es sind luxemburgische Banken und die Fluglinie Luxair, der von Qatar Airways geforderten Nominierung von Manager Richard Forson zum Vorstandschef von Cargolux die Zustimmung verweigerten. Zudem hatten sie sich zuvor schon gegen die von den Katarern verlangte Verlagerung eines Teils der Flugzeugwartung in Niedriglohnstandorte und die Revision der Flottenpolitik ausgesprochen.
Die jetzt erfolgte Trennung beider Airlines könnte ein politisches Nachspiel haben. So hat der Luxemburgische Gewerkschaftsbund Onafhängege Gewerschaftsbond Letzebuerg (OGBL) am Wochenende in einer Stellungnahme die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur Klärung von Hintergründen verlangt. Dabei geht es um die Frage, wieso Qatar Airways seinerzeit regierungsseitig den Zuschlag zum Einstieg bei Cargolux trotz finanziell besserer Angebote von anderen Bewerbern bekam. Auch verlangte der beim OGBL für Luftfahrt zuständige Sekretär Hubert Hollerich den Rücktritt von Finanzminister Luc Frieden, da dieser den Deal seinerzeit ohne öffentliche Ausschreibung eingefädelt und durchgewunken hatte.
Nach Angabe der Gewerkschaft haben inzwischen Gespräche zwischen der Luxemburger Regierung und der russischen Volga-Dnepr-Gruppe, zu der auch Frachtflieger Air Bridge Cargo (ABC) gehört, in Moskau stattgefunden. Dabei könnte Volga-Dnepr die Übernahme der Qatar-Anteile schmackhaft gemacht worden sein.
Nach Angaben des amtierenden Managements von Cargolux benötigt die Gesellschaft aufgrund anhaltender Verluste eine umgehende Eigenkapitalerhöhung von rund 200 Millionen Euro. Ohne diesen Mittelzufluss droht dem Frachtflieger wegen hoher finanzieller Obligationen, unter anderem Ausgaben für neue Frachtflugzeuge und Strafzahlungen aufgrund illegaler Preisabsprachen, die baldige Insolvenz. (hs)