Professor Aberle hält Vignetten-Einführung für schlechte Lösung

17.02.2004 16:09 Uhr

Der Gießener Verkehrsexperte plädiert für das in Österreich eingeführte und erprobte Mikrowellensystem

Gießen. Die nach dem Maut-Debakel geplante Wiedereinführung der Eurovignette hält der Verkehrswissenschaftler Prof. Gerd Aberle für eine schlechte Lösung. „Man weiß zwar, dass die Vignette funktioniert – aber sie bringt nicht das, was wir brauchen. Es wird weiterhin eine enorme Finanzierungslücke geben“, kritisierte Aberle am Dienstag in einem dpa-Gespräch. Mit dem in Österreich erprobten Mikrowellensystem könne der Bund dagegen ähnlich viel Geld einnehmen wie mit der vorerst gescheiterten satellitengestützten Alternative. Statt der 2,8 Milliarden Euro, die das System des Konsortiums Toll Collect jedes Jahr bringen sollte, spüle die Vignette nur rund 400 Millionen Euro in die Kassen, sagte Aberle. „Das ganze Drama des Zurückstellens von Investitionen im Schienen- und Straßenbereich würde fortgesetzt. Der ganze Bundesverkehrswegeplan 2003, der gerade erst beginnen sollte, ist natürlich dann Makulatur.“ Weil vermutlich auch eine Ausschreibung erforderlich sei, werde sich die Einführung der Vignette einige Zeit hinziehen: „2004 wird da gar nichts mehr.“ Das technisch deutlich überlegene Mikrowellensystem könnte nach Einschätzung des Wirtschaftswissenschaftlers in einem ähnlichen Zeitraum eingerichtet werden wie die einfache Vignettenlösung. Mit den Mikrowellen werde zudem berücksichtigt, ob jemand viel oder wenig auf dem Straßennetz fahre, erklärte Aberle, der Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Verkehrsministeriums ist. Die rund 200 bereits errichteten Maut-Brücken könnten für das System genutzt werden. Auch das Mikrowellensystem sieht Aberle jedoch nur als Übergangslösung. Langfristig solle die elegante, technisch aber noch nicht ausgereifte Satellitensteuerung eingeführt werden: „2011, 2012 halte ich für eine realistische Größe.“ Die Kündigung des Vertrages mit Toll Collect sei „überfällig“ gewesen, sagte Aberle. „Dieses lange Zögern ist meines Erachtens darauf zurückzuführen, dass man vor einer Kündigung vielleicht ein bisschen Angst hatte – weil möglicherweise Schadenersatzforderungen resultieren könnten.“ (vr/dpa)

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