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Preiskampf: Konzerne setzen Mittelstand unter Druck

24plus-Geschäftsführer Peter Baumann rechnet mit dem Ende des Abschwungs
© Foto: Sebastian Bollig

Ist die Krise schon vorbei? Wer trägt die Schuld am Preiskampf im Stückgutmarkt? Peter Baumann, Geschäftsführer der Stückgutkooperation 24plus, im VerkehrsRundschau-Interview


Datum:
22.05.2009
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Ist die Krise schon vorbei? Wer trägt die Schuld am Preiskampf im Stückgutmarkt? Peter Baumann, Geschäftsführer der Stückgutkooperation 24plus, erklärt im VerkehrsRundschau-Interview warum aus seiner Sicht die Krise jetzt endet und präsentiert einen neuen Partner aus dem Seefrachtbereich Seit wenigen Wochen spricht ganz Europa nur noch von der Krise, mittendrinn findet die Leitmesse des Jahres die Transport Logistic statt. Die Stimmung scheint gar nicht so schlecht. Schöpfen Sie daraus Optimismus für das restliche Jahr? Peter Baumann: Ich war nie ohne Optimismus. Lief es bislang so gut bei Ihnen? Zwischen November und Februar war auch bei uns Krise. Wobei Krise differenziert zu verstehen ist. Unter Krise verstehe ich ein plötzliches Absacken der Nachfrage. Vor allem der Automotivbereich hat uns in dieser Krisenphase runtergezogen. Wir mussten jeden Tag aufs Neue abwarten was kommt. Doch wenn man unten aufschlägt, dann muss man sich aufrappeln und umschauen. Ich glaube, wir sind derzeit an diesem Punkt. Das heißt, der Abschwung ist gestoppt? Die Sendungsmengen schwanken noch leicht, aber bleiben seit März stabil. Natürlich auf einem deutlich niedrigeren Niveau als vor der Krise. Über alle Bereiche betrachtet sind wir auf dem Niveau von 2006 gelandet. Wie gehen Sie damit um? Unternehmerisches Handeln besteht daraus, die Kapazitäten an eine geänderte Nachfragesituation anzupassen. Ganz gleich, ob es nach oben oder unten geht. Natürlich ist es allen lieber, es geht nach oben. Jetzt, nachdem sich die Nachfrage stabilisiert hat, können wir diese Anpassungen vornehmen. Will heißen: Die 24plus-Partner stellen sich auf die Marktgegebenheiten bei Umsatz und Sendungsvolumen ein. Das größere Problem ist der Kannibalismus über die Preise. Diesen Preiskampf können und wollen wir nicht mitgehen. Die harte Situation wird jedoch von manchen Kunden gnadenlos ausgenutzt, um einen schnellen Euro zu machen. Spediteure, die sich auf die Tiefstpreise einlassen, werden spätestens dann ein böses Erwachen erleben, wenn die Konjunktur wieder anzieht und sie auf den niedrigen Preisen sitzen bleiben. Kommt der Preisdruck von den Konzernen oder von den ganz Kleinen? Wir als Mittelstandskooperation müssen beachten, dass jeder Kooperationspartner als eigenständiges Unternehmen für sich überleben will und muss. Ein Konzern kann da anders reagieren. Dumpingpreise im Süden werden durch höhere Margen im Norden wieder ausgeglichen. Die Konzern-Niederlassungen müssen da mitspielen, wenn die Gesamtstrategie der Zentrale diesen Weg vorschreibt. Versauen die Konzerne die Preise? In der Menge sind es die großen Dienstleister. Die kleinen Frachtführer setzen manchmal einen Nadelstich, aber letztlich können sie einen Preiskampf nicht lange durchziehen. Deshalb sind es in der Tat die großen Player, die sich regionen- und branchenbezogen Marktanteile kaufen. Wie reagieren Sie darauf? Wir können und werden uns keine Mengen kaufen. Das kann der Mittelstand nicht überleben. Doch ich erkenne eine erste Tendenz, dass auch der Preisdruck nach unten abnimmt. Sie sind jetzt Mitte Mai auf dem Niveau von 2006 gelandet. Was können Sie bis Dezember noch erreichen? Wenn wir bis Ende des Jahres das aktuelle Niveau halten können oder sogar ganz leicht zulegen, dann ist das Jahr – aus heutiger Sicht – noch gut ausgegangen. Wir wissen jedoch nicht, was uns die Weltwirtschaft noch alles bietet. Momentan deutet jedoch nichts auf einen weiteren Konjunktureinbruch hin. Wie haben Sie sich auf die niedrigeren Transportmengen eingestellt? Es zeigt sich, dass in einer Krise ein Netzwerk mehr hilft als in Boomzeiten. Natürlich haben unsere Partner Kapazitäten abgebaut. Bei 24plus haben wir ein zweistufiges Netz. Die Direkt- und die Hubverkehre. Das heißt, wenn im Hauptlauf bei den Partnern Mengen wegfallen, dann können sie unwirtschaftliche Direktverkehre zurückfahren und diese Transporte über die Hubs abwickeln. Vor wenigen Tagen haben Sie Ihren neuen Partner Eculine präsentiert. Ein Ausbau in Richtung Seefracht mitten in der Krise. Was erwarten Sie sich davon? Von unseren Partnern ist der Bedarf nach einem Seefrachtangebot herangetragen worden. Bevor ein einzelner Partner eine solche Investition mit erheblichem Risiko alleine tätigt, haben wir als Netzwerk diese Aufgabe übernommen und uns nach einem Seefrachtpartner umgesehen. Mit Eculine glauben wir einen guten Partner gefunden zu haben. Wir ergänzen uns gut. Eculine ist weltweit gut aufgestellt, wir haben ein gutes europäisches Landverkehrsnetz. Wir haben vereinbart, dass wir gegenseitig die Netze öffnen. 24plus übernimmt dabei die Schnittstellenfunktion. Das hat den Vorteil, dass nicht jede unserer Speditionen im Binnenland sich die Kompetenz in der Containerfracht nach Übersee aufbauen muss. Ist das ein Angebot für Ihre Partner, die bislang noch kein Seefrachtgeschäft betreiben? Nicht unbedingt. Wir haben auch mehrere 24plus-Partner, die bereits in diesem Segment tätig sind. Teilweise arbeiten diese auch schon mit Eculine zusammen. Entscheidend ist, dass wir künftig ein standardisiertes Produkt für alle haben. Wir haben mit Eculine Abläufe vereinbart, die für alle unsere Partner gleich und damit effizienter sind. Ein logischer Schritt wäre jetzt ein Luftfrachtpartner. Durchaus. Wir führen derzeit bereits erste Gespräche, doch Konkretes kann ich Ihnen noch nicht berichten. (sb)
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