Brüssel. Nun ist es offiziell. Der designierte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will die stellvertretende Ministerpräsidentin von Slowenien, Violeta Bulc, zur neuen Verkehrskommissarin der EU ernennen. Das wurde nun offiziell schriftlich bekannt gegeben. Maros Sefcovic, der bislang für diese Aufgabe vorgesehen war, soll Vize-Präsident der EU-Kommission für die Energiepolitik werden.
Die Neuverteilung der Ressorts war notwendig geworden, nachdem das Parlament die erste Kandidatin Sloweniens, Alenka Bratusek, abgelehnt hatte. Die EU-Mitgliedsstaaten akzeptierten die neue slowenische Kandidatin am Mittwochabend. Sie muss sich voraussichtlich am Montagabend einer Anhörung im Verkehrsausschuss des Europäischen Parlamentes stellen. Das Plenum des Parlamentes soll der Juncker-Kommission am Mittwoch das Vertrauen aussprechen. Sie soll am 1. November ihre Amtsgeschäfte aufnehmen.
Violeta Bulc ist in Brüssel weitgehend unbekannt und bringt nur wenig politische Erfahrung mit. Anfang der 80ger Jahre war sie Mitglied der jugoslawischen Basketnball-Nationalmannschaft. In den 90ger Jahren studierte sie Elektrotechnik an der Universität Ljubljana und in San Francisco. Danach arbeitete sie für die staatliche slowenische Telefongesellschaft und gründete 2000 eine Beratungsfirma für Unternehmen. Als erfolgreiche, slowenische Unternehmerin erhielt sie mehrere Preise für innovative und nachhaltige Geschäftsmodelle. Sie interessiert sich für asiatischen Kampfsport und absolvierte eine Ausbildung als Shamane.
Ihre politische Karriere begann im Sommer diesen Jahres mit einer Kandidatur für das slowenische Parlament. Im September avancierte sie in der neuen slowenischen Regierung zur stellvertretenden Ministerpräsidentin. Regierungschef Cerar setzte ihre Nominierung als EU-Kommissarin gegen den Widerstand seines sozialdemokratischen Koalitionspartners durch. Im Europäischen Parlament gehört ihre Partei nicht zur Koalition der konservativen, sozialdemokratischen und liberalen Fraktion, die Juncker unterstützen. (tw)