Flensburg/Neumünster. Die anziehende Konjunktur in Deutschland bringt auch die norddeutschen Transportunternehmen kräftig in Schwung. „Durch die wirtschaftliche Belebung sind die Betriebe gut bis sehr gut ausgelastet“, sagt Oliver Leupelt, Sprecher des Verbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung Schleswig-Holstein in Neumünster. Manche Firmen sprechen sogar schon von Engpässen. „Zu viel Ware und zu wenig Lastwagen“, erklärte der Versandleiter von Mitsubishi Hitec Paper Flensburg, Ralf Schmidt. Experten schließen in der gegenwärtigen Situation höhere Preise für Transporte nicht mehr aus. „Die Autos laufen, aber die Preise sind noch nicht vernünftig“, macht Leupelt deutlich. Viele Unternehmer seien in den vergangenen zwei Jahren nicht in der Lage gewesen, die Preise entsprechend den gestiegenen Kosten für Maut und Mineralöl anzupassen. Dies habe nicht zuletzt zu einer Marktbereinigung geführt. „Die verbliebenen Betriebe könnten jetzt in der Position sein, die Preise zu erhöhen“, vermutet Leupelt. Doch auch die beste Auftragslage wird zum Problem, wenn es zu wenig gutes Personal gibt. „Es ist schon seit ein paar Jahren schwierig, qualifizierte Fahrer zu finden“, erklärt Leupelt. Die erforderlichen Führerscheine seien in der Vergangenheit häufig bei der Bundeswehr gemacht worden; heute sei dies aber nicht mehr der Fall. Außerdem habe sich die seit einigen Jahren bestehende Ausbildung zum Berufskraftfahrer nicht durchgesetzt. Sie werde ohnehin bald auslaufen, da die Europäische Union ein eigenes Modell einer „Fahrerqualifikation“ entwickelt habe. Damit werde der Ausbildungsberuf „konterkariert“, sagt Leupelt. (dpa/tz)
Norddeutsche Transportunternehmen fahren auf der Überholspur
Boom in der Branche könnte höhere Preise für Transporte nach sich ziehen – problematisch: qualifiziertes Personal fehlt