Kiel. Der Nord-Ostsee-Kanal könnte in diesem Jahr erstmals die Schallmauer von 100 Millionen Tonnen Ladung durchbrechen. Davon geht Wasser – und Schifffahrtsdirektion Nord (WSD-Nord) in Kiel nach Auswertung der Verkehrszahlen für das 1. Halbjahr aus. Zwischen Januar und Juni befuhren die künstliche, rund 100 Kilometer lange Bundeswasserstraße rund 22.100 Schiffe unterschiedlicher Größenordnung. In ihren Frachträumen beförderten sie gut 55, 5 Millionen Tonnen (t) Ladung. Zwar sei die Anzahl der Schiffsbewegungen im aktuellen Berichtszeitraum „nur“ um drei Prozent gestiegen. Aufgrund des auch für den NOK seit Jahren klar erkennbaren Trends zu größeren Schiffseinheiten zählt für die WSD-Nord jedoch vor allem diese Zahl: Die Transportmenge stieg im Sechsmonatszeitraum um knapp zwölf Prozent. Die den Kanal befahrenden Schiffe werden in so genannten „Verkehrsgruppen“ zusammengefasst. Diese richten sich nach den Abmessungen und Tiefgängen der Schiffe. Die „dicken Brocken“ sind in der Verkehrsgruppe 6 vereinigt. Dabei handelt es sich um Schiffe mit bis zu 235 Meter Länge und 32,5 Meter Breite. Von diesen Großfrachtern wurden im aktuellen Sechsmonats-Zeitraum 224 Einheiten registriert – nach 116 Schiffen im 1. Halbjahr 2007. Das sind 93 Prozent mehr Schiffe als noch vor einem Jahr. In diesem steilen Zuwachs kommt neben dem allgemeinen Größentrend auch die dramatische Preisentwicklung bei den Bunkerkosten zum Ausdruck. Hinzu kommt, dass der Seeverkehr in der Ostsee weiterhin stark wächst. Hinsichtlich der Schiffsanzahl ist die Verkehrsgruppe 3 die mit Abstand Bedeutendste mit einem Anteil von gut 50 Prozent. Im 1. Semester wurden hier 10.450 Einheiten registriert, ein Plus von 1,9 Prozent. In dieser Gruppe werden Schiffe mit Längen zwischen 65 bis 85 Metern beziehungsweise 120 bis 140 Metern sowie Breiten von 13/11 Metern sowie 19/17 Metern zusammengefasst. Unter die Verkehrsgruppe 4 fallen Schiffe mit bis zu 160 Meter Länge, 20 Meter Breite und einem Tiefgang von bis zu 9,50 Meter. Auf diese Sparte entfielen im Berichtszeitraum 4967 Schiffe (plus 20,2 Prozent). In der Verkehrsgruppe 5 (bis 220 Meter Länge, 27 Meter Breite) nutzten im 1. Halbjahr 2822 Einheiten den 1895 eröffneten NOK – ein Rückgang von gut 14,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum. Der Kiel Kanal, wie die Wasserstraße in der Schifffahrt auch genannt wird, soll bis Mitte des nächsten Jahrzehntes ausgebaut werden. Nach Abschluss aller Arbeiten soll der Kanal für Schiffe mit Panmax-Abmessungen - 32,5 Meter Breite und 280 Meter Länge (vorher 235 Meter) befahrbar sein. Der Ausbau des NOK strahlt hinsichtlich seiner Bedeutung weit über Schleswig-Holstein hinaus. So legt der Präsident des Zentralverband der Deutschen Seehäfen (ZDS), Detthold Aden, auf diesen Sachzusammenhang großen Wert: „Wenn die immer größer werdenden Feederschiffe nicht mehr den Kanal passieren können, dann verlieren Häfen wie Hamburg und Bremerhaven, die zu einem bedeutenden Teil auch vom Feeder-Verkehr leben, langfristig ihre Wettbewerbsfähigkeit.“ Unterschiedlichen Untersuchungen zufolge hängen vom Erfolg des NOK inzwischen rund 3500 Arbeitsplätze direkt oder indirekt vom Kanal ab. Er gehört damit für das Land zwischen den Meeren zu den bedeutendsten Arbeitsplatzfaktoren. (eha)
Nord-Ostsee-Kanal: 100 Millionen Tonnen Jahresziel
Trend geht zu immer größeren Schiffen, Ausbau des NOK bis Mitte des nächsten Jahrzehntes