Hamburg. Die an einem Kauf der TUI-Tochtergesellschaft Hapag-Lloyd interessierte Reederei Neptune Orient Lines (NOL) aus Singapur versucht, Ängste der Hamburger Beschäftigten zu zerstreuen. Eine Übernahme sei das Beste, was den Arbeitnehmern von Hapag-Lloyd und Hamburg passieren könne, sagte NOL-Vorstandschef Ron Widdows der "Financial Times" (Mittwochsausgabe). Widdows deutete an, dass Hapag-Lloyd auch nach einer Übernahme durch NOL den Traditionsnamen behalten dürfe. Hinter NOL steht die singapurische Staatsholding Temasek. Am Dienstag hatten 300 Beschäftigte von Hapag-Lloyd vor der Botschaft Singapurs in Berlin gegen eine Übernahme durch NOL protestiert. Der Tourismuskonzern TUI will sich von seiner Container- Schifffahrt trennen. Im Rennen um die Hapag-Lloyd-Sparte sind noch ein Hamburger Konsortium sowie NOL. Medienberichten zufolge will TUI vier Milliarden Euro aus dem Verkauf erlösen. Hapag-Lloyd hat 133 Containerschiffe, die über eine Gesamtkapazität von 499 000 Standardcontainern (TEU) verfügen. Weltweit beschäftigt das rund 150 Jahre alte Hamburger Unternehmen insgesamt 8300 Menschen, davon 7723 in der Containerschifffahrt. Der Buchwert von Hapag-Lloyd soll bei etwa 3,5 Milliarden Euro liegen. Der Betriebsrat von Hapag-Lloyd hat sich für eine Übernahme durch die Hamburger Gruppe ausgesprochen, die vom Hamburger Senat mit einem dreistelligen Millionenbetrag unterstützt wird. "Hapag-Lloyd gehört zu Hamburg", bekräftigten am Dienstag auch die Reederei-Mitarbeiter. Bei einer Übernahme durch NOL wird in der Hansestadt der Abbau von Arbeitsplätzen und eine Schwächung des Standorts Hamburg befürchtet. In der Hansestadt beschäftigt Hapag-Lloyd rund 2000 Mitarbeiter. Widdows versuchte diese Bedenken mit dem Beispiel eines früheren Übernahmegeschäfts zu entkräften. Beim Kauf der in Kalifornien ansässigen APL-Reederei, die ähnlich wie Hapag-Lloyd auf eine 160- jährige Firmengeschichte zurückblicken kann, habe sich NOL vor knapp elf Jahren auch für die Beibehaltung der Marke APL entschieden. Viele APL-Beschäftigte hätten damals ähnliche Bedenken gehabt, wie nun die Hapag-Lloyd-Mitarbeiter in Hamburg. "Tatsache ist aber, dass APL ohne die Übernahme heute nicht mehr existieren würde." Ende Juli hatte NOL bekanntgegeben, im Übernahmefall die Sparte APL mit Hapag-Lloyd zusammenzuführen. (dpa/stb)
NOL-Chef wirbt um Vertrauen: Hapag-Lloyd könnte Namen behalten
Die an einem Kauf interessierte Reederei aus Singapur versucht, Ängste der Hamburger Beschäftigen zu zerstreuen