Neue IWF-Chefin: Deutschland soll Wirtschaft ankurbeln

09.10.2019 09:53 Uhr
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Die 66-jährige Bulgarin Kristalina Georgiewa leitet den IWF seit dem 1. Oktober. Sie übernahm das Amt von der Französin Christine Lagarde
© Foto: picture alliance / NurPhoto

Die neue IWF-Chefin Georgiewa warnt vor den hohen wirtschaftlichen Kosten der Handelskonflikte. Deutschland empfiehlt sie, jetzt schon mehr in die eigene Konjunktur zu investieren.

Washington. Angesichts der anhaltenden Handelskonflikte erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) dieses Jahr weltweit ein niedrigeres Wirtschaftswachstum. Die Welt befände sich in einer Phase der „gleichzeitigen Abschwächung“, sagte die neue IWF-Chefin Kristalina Georgiewa am Dienstag in Washington. In diesem Jahr erwarte der IWF „langsameres Wachstum in fast 90 Prozent der Welt“. Es sei mit dem schwächsten Wachstum seit Beginn des Jahrzehnts zu rechnen, sagte Georgiewa laut Redeprotokoll. Der IWF werde seine offiziellen Prognosen für 2019 und 2020 daher in der nächsten Woche nach unten korrigieren.

Weltweit koordinierte Wirtschaftspolitik als Empfehlung

Sollte das langsamere globale Wachstum der Beginn einer Krise sein, bräuchte es laut der 66-Jährigen zur Überwindung weltweit koordiniertes Handeln: „Falls sich die globale Wirtschaft stärker abschwächt als erwartet, könnte es eine koordinierte fiskalpolitische Antwort brauchen.“ Deutschland gehöre zu den wenigen Ländern, die schon jetzt anfangen sollten, die Wirtschaft mit höheren Ausgaben anzukurbeln oder diesen Schritt vorzubereiten, sagte Georgiewa in ihrer ersten Rede als IWF-Chefin. Vor allem zusätzliche Ausgaben in den Bereichen Infrastruktur und Forschung hätten das Potenzial, das Wachstum zu fördern. Niedrige Zinsen gäben manchen Regierungen noch mehr Spielraum.

Allein der Handelskonflikt zwischen den beiden größten Volkswirtschaften - USA und China - könnte die globale Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr um bis zu 700 Milliarden US-Dollar senken, warnte Georgiewa unter Berufung auf neue IWF-Prognosen. Das entspräche rund 0,8 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Die Summe setze sich aus den direkten und indirekten Kosten zusammen - wie Vertrauensverlust, Unsicherheit und Marktreaktionen. 

Georgiewa: Nur Verlierer bei einem Handelskrieg

„Wir haben in der Vergangenheit über die Gefahr von Handelskonflikten gesprochen. Jetzt sehen wir tatsächlich die Auswirkungen“, sagte die 66-Jährige. Das globale Handelsvolumen wachse nicht mehr, Investitionen und das produzierende Gewerbe hätten „bedeutend nachgegeben“. Es bestehe das „ernsthafte Risiko“, dass der Konflikt sich bald auch negativ bei Dienstleistungen und Verbrauchern bemerkbar mache. „In einem Handelskrieg verliert jeder“, sagte Georgiewa und forderte die Konfliktparteien auf, sich zu einigen.

In seiner letzten Wirtschaftsprognose Ende Juli war der IWF für dieses Jahr noch von einem um 0,1 Prozentpunkte schwächeren globalen Wachstum von 3,2 Prozent ausgegangen. Für 2020 erwartete die Organisation 3,5 Prozent. Der IWF will die aktualisierte Wirtschaftsprognose laut Georgiewa am kommenden Dienstag im Rahmen der gemeinsamen Jahrestagung mit der Weltbank vorstellen.

Die 66-jährige Bulgarin leitet den IWF seit dem 1. Oktober. Sie übernahm das Amt von der Französin Christine Lagarde. Vorher war Georgiewa unter anderem Geschäftsführerin der Weltbank und EU-Kommissarin. (dpa/sn)

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