Neue Hoffnung: Tanker-Auftrag für Nordic-Werften

01.03.2010 12:21 Uhr

Russischer Bergbau-Konzern Norilsk Nickel ordert eisbrechenden Spezialtanker / Vertrag unter Vorbehalt eines Finanzierungskonzepts

Wismar/Rostock/Moskau. Nach mehr als zwei Jahren Auftragsflaute ist bei den existenzbedrohten Nordic-Werften in Wismar und Rostock eine möglicherweise rettende Bestellung eingegangen. Der russische Bergbau-Konzern Norilsk Nickel unterzeichnete am Wochenende einen Vertrag über den Bau eines eisbrechenden Spezialtankers, teilte eine Sprecherin von Nordic-Eigentümer Witali Jussufow am Montag mit. Es gehe um ein Auftragsvolumen von rund 100 Millionen Euro. Der Abschluss könnte den einst drittgrößten deutschen Schiffbau-Betrieben eine dringend benötigte Atempause verschaffen. Der Vertrag steht allerdings noch unter dem Vorbehalt eines Finanzierungskonzepts. Der rund 170 Meter lange und 23 Meter breite Tanker „Nordic AT 19“ soll im September 2011 ausgeliefert werden, Baubeginn ist am 1. Juli dieses Jahres in Wismar. Zur Art der Finanzierung wollte Nordic zunächst keine Angaben machen. „Dazu herrscht noch Stillschweigen“, sagte Jussufows Sprecherin Tina Mentner der dpa. Norilsk Nickel hatte bei den Werften bereits im Juli 2006 vier eisbrechende Container- Frachter für insgesamt 320 Millionen Euro bestellt. Der letzte Auftrag war im Februar 2008 eingegangen. Die beiden Transfergesellschaften der seit Juni 2009 insolventen Wadan-Werften, aus denen die heutigen Nordic Yards hervorgingen, sollen nach derzeitigem Stand Ende März auslaufen. Das Land Mecklenburg-Vorpommern hatte eine Anschlussfinanzierung von neuen Aufträgen abhängig gemacht. Diese Bedingung sei nun erfüllt, meinte der Rostocker Ex-Wadan-Betriebsrat Harald Ruschel. „Das ist ein gutes Signal, das wir in Richtung Landesregierung gebraucht haben.“ Der Weg für eine Transfer-Verlängerung bis Ende Juli sei jetzt frei. Unklar ob Standort Wismar profitiert Es bleibe aber unklar, ob neben Wismar auch der Standort Warnemünde von dem russischen Auftrag profitieren könne. „Jussufow hat alle Kritiker eines Besseren belehrt. Wir hoffen aber, dass beide Standorte etwas davon haben“, sagte Ruschel der dpa. Seine Wismarer Kollegin Ines Scheel sah „die Banken und die Landesregierung in der Pflicht“. Bislang sei nicht abzusehen, für wie viele Mitarbeiter neue Beschäftigung entstehen werde. Die Bestellung von Norilsk Nickel zeige jedoch, „dass wir es doch noch können“, meinte Scheel. Jussufow kündigte an, dem in Moskau ausgehandelten Geschäft würden bald weitere folgen: „Wir sind sehr froh über die Perspektive, die dieser Auftrag für unser Unternehmen und unsere Mitarbeiter darstellt“, erklärte er laut Mitteilung. Der russische Investor hatte Wadan im August 2009 für 40,5 Millionen Euro übernommen. Wirtschaftsministerium Schwerin übt Zurückhaltung Zurückhaltender äußerte sich das Wirtschaftsministerium in Schwerin. Neben dem Vertragsschluss müsse auch die Baufinanzierung stehen, sagte ein Sprecher. Bisher sei der Landesregierung aber kein Konzept bekannt. Ähnlich reagierte die CDU-Landtagsfraktion, während die Linksfraktion bereits eine Transfer-Verlängerung forderte. Bund und Land hatten den Werften Ende 2008 ein 180-Millionen-Euro- Darlehen zur Verfügung gestellt. Das Unternehmen kam zudem unter den Rettungsschirm der Bundesregierung. Für den Weiterbau zweier Großfähren gab es einen Massekredit über 194 Millionen Euro, in die Transfergesellschaften flossen bislang rund 15 Millionen Euro. Der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) in Hamburg bezeichnete den Vertragsschluss als gute Nachricht. Es handele sich um den größten Auftrag für die deutsche Werftbranche seit Anfang 2009, sagte Referent Gerhard Carlsson. „Der Nordic-Auftrag ist sehr wichtig. Das ist das, wonach alle unsere Werften intensivst streben.“ (dpa)

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