Neue Hinweise auf Waffenschmuggel mit „Arctic Sea“

25.08.2009 15:53 Uhr
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EU-Militärexperten haben Waffen an Bord des Frachters "Arctic Sea" vermutet

Beschlagnahmter finnischer Frachter soll Waffen mit unklarem Ziel an Bord gehabt haben

Moskau. Im mysteriösen Fall des von Russland vor Westafrika beschlagnahmten finnischen Frachters „Artic Sea“ gibt es neue Hinweise auf möglichen Waffenschmuggel. Unter Berufung auf russische Geheimdienstquellen berichtet die Zeitung „Moskowski Komsomolez“ („MK“) am Dienstag, das angeblich mit Holz beladene Schiff habe auch Waffen mit unbekannter Herkunft und unklarem Ziel an Bord gehabt. Die gefassten acht mutmaßlichen „Ostsee-Piraten“ seien vorbestrafte Kriminelle, die vom Geheimdienst eines EU-Landes angeheuert worden seien. Militärexperten der EU und Russlands hatten immer wieder den Verdacht geäußert, dass an Bord des Frachters auch Waffen – vermutlich Marschflugkörper aus Sowjetzeiten – geschmuggelt worden seien. Moskaus NATO-Botschafter Dmitri Rogosin hatte aber in Brüssel betont, dass Russland selbst keine Waffen auf der „Arctic Sea“ transportiert habe. „Sollten die Finnen noch Flügelraketen zu dem Holz dazugeladen haben, dann wäre das ihre Sache“, sagte Rogosin in einem Interview des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“. Der Fall der drei Wochen lang verschollen geglaubten „Arctic Sea“ hatte einen wohl einmaligen Einsatz von Geheimdiensten aus 20 Ländern ausgelöst. Beim Wiederauffinden des Frachters vor gut einer Woche hatte auch die NATO auf Bitten Russlands geholfen. Russland hatte mehrere Kriegsschiffe in Bewegung gesetzt, um die 15 russischen Seeleute aus der Gewalt der Entführer zu befreien. Wegen des immensen militärischen und geheimdienstlichen Aufwands halten sich Gerüchte, an Bord der „Arctic Sea“ könnten Waffen geschmuggelt worden sein. Die russische Zeitung „Kommersant“ berichtete, dass auch die estnischen Behörden ermitteln. Sechs der mutmaßlichen Seeräuber lebten zuletzt in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Die Verdächtigen gaben an, als Umweltschützer vor der schwedischen Küste unterwegs gewesen zu sein, als sie am 24. Juli in Seenot von der „Arctic Sea“ gerettet worden seien. Dagegen wirft Russland ihnen vor, nach einem bewaffneten Überfall Lösegeld gefordert zu haben. Laut „MK“ war auch der russische Militärgeheimdienst in die Aufklärung des Falls um die „Arctic Sea“ eingebunden. Der Frachter wird derzeit im Schlepptau der russischen Kriegsmarine in den Schwarzmeerhafen Noworossijsk gezogen. Dort wird das knapp 100 Meter lange Schiff im September zu weiteren Ermittlungen erwartet. An Bord der „Arctic Sea“ befinden sich der Kapitän sowie drei weitere Crew-Mitglieder. Elf Seeleute werden in Moskau weiter vom Inlandsgeheimdienst FSB verhört. Die Ermittler prüfen, ob es unter ihnen Komplizen der Piraten gegeben habe. Die Familien fordern die Freilassung der Seeleute. Die mutmaßlichen Seeräuber kündigten an, gegen die Haftbefehle Beschwerde einzulegen. Ihnen drohen 20 Jahre Gefängnis. (dpa)

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