Neue Hinweise auf Waffenschmuggel mit „Arctic Sea“

25.08.2009 18:38 Uhr

Im mysteriösen Fall des finnischen Frachters „Arctic Sea“ gibt es neue Hinweise auf möglichen Waffenschmuggel

Moskau. Im mysteriösen Fall des finnischen Frachters „Arctic Sea“ gibt es neue Hinweise auf möglichen Waffenschmuggel. Unter Berufung auf russische Geheimdienstquellen berichtet die Zeitung „Moskowski Komsomolez“ („MK“) am heutigen Dienstag, das angeblich mit Holz beladene Schiff, das von russischen Kriegsschiffen vor der Küste Westafrikas aufgebracht worden sei, habe auch Waffen „mit unbekannter Herkunft und unklarem Ziel“ an Bord gehabt. Die gefassten acht mutmaßlichen „Ostsee-Piraten“ seien vorbestrafte Kriminelle, die vom Geheimdienst eines EU-Landes angeheuert worden seien. Russlands Staatsanwaltschaft bestätigte erstmals, dass auch ein möglicher Waffenschmuggel untersucht werde. Vielleicht sei auf dem Schiff nicht nur Holz transportiert worden, sagte der Leiter der Ermittlungsbehörden, Alexander Bastrykin, in einem vorab veröffentlichten Interview mit der Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta“ (Mittwochausgabe). „Wir schließen keine Varianten aus.“ Die Arctic Sea werde auch deshalb in den russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk geschleppt, damit dort weitere Ermittlungen angestellt werden können. Zudem würden die 15 von dem Frachter befreiten Seeleute so lange festgehalten, bis ihre mögliche Verstrickung in die Entführung aufgeklärt sei. „Das Wichtigste ist, dass wir die Entführer haben, dafür gilt der Kriegsmarine ein großer Dank“, sagte Bastrykin weiter. Er schloss nicht aus, dass die auf Malta registrierte Arctic Sea als Beweismittel bis zu einem Gerichtsverfahren beschlagnahmt bleibe. Militärexperten der EU und Russlands hatten immer wieder den Verdacht geäußert, dass an Bord des Frachters auch Waffen - vermutlich Marschflugkörper aus Sowjetzeiten - geschmuggelt worden seien. Moskaus NATO-Botschafter Dmitri Rogosin hatte in Brüssel betont, dass Russland selbst keine Rüstungsgüter auf der Arctic Sea transportiert habe. „Sollten die Finnen noch Flügelraketen (Marschflugkörper) zu dem Holz dazugeladen haben, dann wäre das ihre Sache“, sagte Rogosin in einem Interview des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“. Der Fall der drei Wochen lang verschollen geglaubten Arctic Sea hatte einen wohl einmaligen Einsatz von Geheimdiensten aus 20 Ländern ausgelöst. Beim Wiederauffinden des Frachters vor gut einer Woche hatte auch die NATO auf Bitten Russlands geholfen. Russland hatte mehrere Kriegsschiffe in Bewegung gesetzt, um die 15 russischen Seeleute aus der Gewalt der Entführer zu befreien. Wegen des immensen militärischen und geheimdienstlichen Aufwands halten sich Gerüchte, an Bord der Arctic Sea könnten Waffen geschmuggelt worden sein. Die russische Zeitung „Kommersant“ berichtete, dass auch die estnischen Behörden ermitteln. Sechs der mutmaßlichen Seeräuber lebten zuletzt in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Die Verdächtigen gaben an, als Umweltschützer vor der schwedischen Küste unterwegs gewesen zu sein, als sie am 24. Juli in Seenot von der Arctic Sea gerettet wurden. Dagegen wirft Russland ihnen vor, nach einem bewaffneten Überfall Lösegeld gefordert zu haben. Laut „MK“ war auch der russische Militärgeheimdienst in die Aufklärung des Falls um die „Arctic Sea“ eingebunden. An Bord der „Arctic Sea“ befinden sich der Kapitän sowie drei weitere Crew-Mitglieder. Elf Seeleute werden in Moskau weiter vom Inlandsgeheimdienst FSB verhört. Sie sollen sich nach Medienberichten in einem überwachten Hotel aufhalten. Angehörige von zwei Seeleuten teilten am Dienstag mit, sie hätten erstmals ganz kurz telefonischen Kontakt gehabt. Die Familien fordern seit Tagen die Freilassung der Seeleute. Nach unbestätigten Berichten sollen die Männer Ende der Woche nach Hause dürfen. Die mutmaßlichen Seeräuber kündigten an, gegen die Haftbefehle Beschwerde einzulegen. Sie verlangen, sich in ihrer Heimat gegen die Vorwürfe verteidigen zu dürfen. In Russland drohen ihnen 20 Jahre Gefängnis. (dp/sv)

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