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Nachwuchssorgen: Die Transportbranche muss für den Beruf werben

Ulrich Bönders ist Vorsitzender des Arbeitgeberverbands Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen sowie Geschäftsführer der Spedition Bönders aus Krefeld
© Foto: VVWL

Droht der Logistikbranche ein Fachkräftemangel? Ein Interview über Gehaltsstrukturen und Nachwuchskräfte mit Ulrich Bönders, Vorsitzender des Arbeitgeberverbands Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen und Geschäftsführer der Spedition Bönders aus Krefeld


Datum:
27.09.2010
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Im aktuellen Marktbericht warnt das Bundesamt für Güterverkehr vor einem Fachkräftemangel in der Logistikbranche. Parallel fordern die deutschen Juristen einen flächendeckenden Mindestlohn in Deutschland. Ist die niedrige Entlohnung ein Grund für die geringe Attraktivität der Transportbranche beim Nachwuchs?

Ulrich Bönders: Nein, die Bezahlung alleine ist kein Problem. Unsere Branche braucht deshalb auch keinen Mindestlohn, es gibt funktionierende Tarifverträge mit guten Gehältern. Der drohende Fahrermangel ist ein strukturelles Problem: Zum einen sind rund 40 Prozent der derzeit aktiven Fahrer über 50 Jahre alt. Hier droht ein Engpass. Zum anderen fehlt der Nachschub an jungen Bewerbern, die früher ihren LKW-Führerschein noch bei der Bundeswehr machen konnten. Deshalb müssen Verbände und Unternehmen gemeinsam in mehr Ausbildungsplätze investieren und für den Beruf werben. 

Ist der Beruf LKW-Fahrer für junge Menschen überhaupt erstrebenswert?

Die Arbeitsbedingungen sind nicht einfach. Gerade bei gering qualifizierten jungen Menschen ist der Beruf leider unbeliebt. Das liegt meist nicht am Geld, sondern vor allem an der langen Abwesenheit beim Einsatz im Fernverkehr. Der Arbeitsplatz ist eben überwiegend das Fahrerhaus. 17- oder 18-Jährige wollen lieber einen Job, wo sie jeden Abend nach Hause zu ihren Familien können. Ein weiteres Problem ist der Erwerb des LKW-Führerscheins. Das kostet mittlerweile bis zu 4500 Euro pro Bewerber, ohne dass der Führerscheinneuling sofort ran darf. Es gibt Unternehmen, die können sich das derzeit einfach nicht leisten.

Gibt es auch im kaufmännischen Bereich Nachwuchssorgen?

Hier hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Neben der klassischen Berufsausbildung haben viele Hochschulen mittlerweile Logistikangebote aufgebaut. Dennoch besteht hier eine Konkurrenz mit anderen Branchen. Und in Deutschland steht ein Job bei einem großen Industrieunternehmen oder im Finanzsektor noch höher im Kurs als der Arbeitsplatz bei einem Logistikunternehmen. Hier kann man dennoch nicht pauschalisieren: Gerade internationale Logistikdienstleister bieten hochattraktive Arbeitsplätze und die Mitarbeiter werden teilweise sehr gut bezahlt.

Kann ein Transportunternehmen da mithalten?

Die mittelständisch geprägten Transportunternehmen können keine Spitzenlöhne zahlen. Das Lohngefälle zur Industrie ist ein Problem für alle Dienstleister. Und gerade die Transportbranche hat die Wirtschaftskrise schwer getroffen. Doch ich bin zuversichtlich, dass wenn die Wirtschaft wieder anzieht und die Unternehmen richtig Geld verdienen auch die Angestellten davon profitieren können. Das ist eben Marktwirtschaft. (sb)

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