Wiesbaden. Mitten in der Euro-Krise haben die deutschen Exporte zu alter Stärke gefunden. Mit dem stärksten Monatsplus seit 18 Jahren kletterte der Wert der Ausfuhren im März um 10,7 Prozent auf 85,6 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden berichtete.
Das war der stärkste März seit Einführung der Statistik und gleichzeitig der höchste Betrag seit Oktober 2008, als Waren im Wert von 88,7 Milliarden Euro das Land verließen. Danach brachen die Ein- und Ausfuhren in der Folge der Finanz-Krise ein.
Im März des Krisenjahrs 2009 waren es nur noch 69,4 Milliarden Euro gewesen nach 82,8 Milliarden Euro im März 2008. Auch die Einfuhren lagen mit einem bereinigten Monatsplus von 11,0 Prozent auf 68,4 Milliarden Euro deutlich über den Erwartungen der Volkswirte. Der Handelsbilanz-Überschuss stieg für den März auf 17,2 Milliarden Euro. Vor einem Jahr hatte der Saldo 11,6 Milliarden Euro betragen. Im gesamten erste Quartal lagen die Ausfuhren allerdings noch unter den Marken aus dem Boom-Jahr 2008.
Weitere Erholung des Außenhandels erwartet
Die Volkswirte der Commerzbank rechneten nach den überraschend guten Zahlen mit einer weiteren Erholung im Außenhandel. Auch wenn im April eine Gegenbewegung möglich sei, dürften die Exporte in den kommenden Monaten das Wachstum anschieben, analysierte die Bank in Frankfurt. Problematisch seien allerdings die strukturellen Probleme bei zahlreichen Handelspartnern, die die Nachfrage nach deutschen Produkten spürbar bremsen könnten. Der Aufwärtstrend bei den Importen belege, dass sich die Inlandsnachfrage belebe.
Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) warnte in Berlin vor „neuen Unwägbarkeiten", die den Aufschwung überschatten könnten. So sei die Geldwertstabilität von entscheidender Bedeutung, um das Exportgeschäft kalkulierbar zu halten. Eine Verwässerung würde nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Bürger treffen, erklärte BGA-Präsident Anton Börner am Montag in einer Mitteilung. Er befürchte, dass Griechenland eine unendliche Geschichte werde, an deren Ende dann doch ein „Staatsbankrott" stehe. „Die Bundesregierung sollte daher kein gutes Geld schlechtem hinterher werfen."
Kritik anderer EU-Staaten
Nach wie vor sind die EU-Länder wichtigster Handelspartner der deutschen Wirtschaft. Allerdings blieben die Steigerungen in der Eurozone hinter denen der übrigen EU-Länder und denen des übrigen Auslands deutlich zurück. So stiegen die Exporte in Drittländer im März um satte 34,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. In die Euro- Länder gingen Ausfuhren im Wert von 35,2 Milliarden Euro - das waren 15,1 Prozent mehr als im März 2009.
Die Leistungsbilanz, in die auch noch Dienstleistungen, Vermögenseinkommen und andere Beträge eingerechnet werden, betrug im März plus 18 Milliarden Euro nach 12,3 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Andere EU-Staaten wie Frankreich hatten die Exportstärke der deutschen Wirtschaft als Grund für wirtschaftliche Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone kritisiert. (dpa)