München. Mit einem ersten Strafprozess beginnt an diesem Mittwoch (23. Juni) die juristische Aufarbeitung der Schmiergeldaffäre beim Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzern MAN. Der frühere Chef der Turbomaschinen-Sparte muss sich vor dem Landgericht München I wegen des Vorwurfs der Bestechung ausländischer Amtsträger verantworten. Die Staatsanwaltschaft hatte Anfang Dezember Anklage gegen den 66 Jahre alten Heinz Jürgen M. erhoben.
Es ist die erste Anklage gegen einen früheren Manager des Münchner Unternehmens nach der Aufdeckung des Skandals, der Ende vergangenen Jahres fast die gesamte Führungsspitze des Dax-Konzerns hinweggefegt hatte. Die Affäre kostete unter anderem Ex-Vorstandschef Håkan Samuelsson und zwei Kollegen die Jobs und belastete den Konzern mit Bußgeldern und Steuernachzahlungen in Höhe von insgesamt rund 220 Millionen Euro. Auf der MAN-Hauptversammlung vertagten die Aktionäre angesichts der Ermittlungen in dem Komplex die Entlastung früherer Vorstände. MAN prüft weiter auch mögliche Schadenersatzansprüche
Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt derzeit noch gegen weitere ehemalige Mitarbeiter, will zu Details der Verfahren aber keine Stellung nehmen. Auch nicht dazu, gegen wen sich die Ermittlungen richten. Wann es zu weiteren Anklagen komme, sei derzeit noch nicht absehbar, heißt es von den Ermittlern. Das an diesem Mittwoch beginnende Verfahren ist zunächst auf zwei Tage angesetzt.
Der frühere Turbo-Chef hatte den Bereich von Januar 2002 bis September 2007 geleitet. Er soll 2004 in Kasachstan die Zahlung von gut neun Millionen Euro veranlasst haben, um an einen Auftrag zur Modernisierung einer Gaspipeline zu kommen. Die Schmiergeldaffäre war im Mai 2009 ins Rollen gekommen. Im Geschäft mit Lastwagen und Turbomaschinen sollen Gelder an Mitarbeiter von Kundenfirmen geflossen sein, um den Verkauf anzukurbeln. Rund 70 Anwälte, Steuerexperten und Wirtschaftsprüfer hatten daraufhin die Zahlungen der vergangenen zehn Jahre unter die Lupe genommen. (dpa)