Die rund 300 Zuhörer, die auf dem 1. Forum "IT & Logistics" der Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V. am 12. Juni in Saarbrücken der Rede Georgis lauschten, staunten nicht schlecht. Die Ausschreibung für Bau und Betrieb des elektronischen Mautsystems müsse gestoppt und neu in Gang gesetzt werden, forderte der Minister. Erst am Montag hatte das Bundesverkehrsministerium seinen "bevorzugten Bieter" für die Errichtung des Mautsystems bekannt gegeben. Zunächst will das Ministerium mit dem ETC-Konsortium – bestehend aus DaimlerChrysler, Deutsche Telekom und Cofiroute – abschließend verhandeln und spätestens Anfang Juli den Auftrag erteilen. Falls mit ETC keine Einigung erzielt werden kann, würden die Verhandlungen mit dem Ages-Konsortium aufgenommen werden. Hinter Ages stehen der britische Mobilfunkbetreiber Vodafone sowie Aral, DKV Euro Service, Euroshell, SVG und UTA. Ages und ETC waren die einzigen verbliebenen Wettbewerber in der Ausschreibung.
Es wird geschätzt, dass Ages und ETC für die Mauterfassung jährliche Kosten von etwa 560 Millionen Euro veranschlagt haben. Am 29. Mai, also nur zwölf Tage vor dem Bekenntnis des Verkehrsministers zur ETC-Lösung, hatte ein weiteres Unternehmen, TSR, aus Saarbrücken, ihr Angebot in Berlin vorgelegt. In dem sechsseitigen Schreiben, das der Redaktion vorliegt, heißt es: "Wir sind bereit und in der Lage, die Lkw-Maut in Deutschland fahrzeug- und streckenbezogen zu einem Preis von 175 Millionen Euro pro anno zu berechnen und zu erheben." Angesichts dieses Preisvorteils, so Georgi, müsse diese Alternative ernsthaft geprüft werden. Gegenüber
LOGISTIK inside erklärte der Minister, dass er das Angebot von TSR unterstützen wolle. Die stattliche Differenz von immerhin fast 400 Millionen Euro könne man effektiver in den Ausbau der Infrastruktur investieren, so Georgi weiter.