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Lieferengpässe spitzen sich weiter zu

Egal ob Spielzeug-, Möbel- oder Lebensmittel-Einzelhandel: Die Lieferverzögerungen machen sich derzeit überall bemerkbar (Symbolbild)
© Foto: Facturee – Der Online-Fertiger cwmk GmbH

Der globale Mangel an wichtigen Rohstoffen und Zulieferteilen belastet die deutsche Konjunktur immer stärker. Die Industrie im Norden verlangt jetzt Erleichterungen für den Transportsektor.


Datum:
09.11.2021
Autor:
Stephanie Noll
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Berlin. Die deutsche Wirtschaft leidet zunehmend unter den aktuellen Lieferengpässen und Materialmangel.

So erwarten etwa die deutschen Einzelhändler Lieferprobleme bis weit in den Sommer hinein. Im Schnitt rechnet die Branche für die kommenden zehn Monate mit Engpässen, wie das Münchner Ifo-Institut am Dienstag mitteilte. „Die Produktauswahl wird zu Weihnachten und lange danach eingeschränkt sein“, sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. Die Lieferprobleme werden sich laut Ifo auch in den Preisen im Weihnachtsgeschäft niederschlagen. Ein Großteil der Unternehmen hat demnach Preiserhöhungen angekündigt.

Am pessimistischsten sind die Fahrradhändler, die noch bis in das übernächste Jahr mit Nachschubproblemen rechnen. Die Möbelhändler erwarten noch gut ein Jahr Lieferschwierigkeiten, die Spielzeugeinzelhändler gehen von rund elf und die Baumärkte von über zehn Monaten aus. Auch im Lebensmittel-Einzelhandel gibt es Lieferschwierigkeiten, allerdings rechnen die Unternehmen damit, dass sich die Lage im Laufe des Frühjahrs wieder entspannen könnte.

Exporte sinken von August auf September

Lieferengpässe und Materialmangel bremsen auch Deutschlands Exporteure weiter aus. Von August auf September des laufenden Jahres sanken die Ausfuhren kalender- und saisonbereinigt um 0,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. Insgesamt gingen im September nach Angaben der Wiesbadener Behörde vom Dienstag Waren „Made in Germany“ im Wert von 117,8 Milliarden Euro ins Ausland. Gegenüber dem von der Corona-Krise geprägten September 2020 war dies ein Anstieg um 7,1 Prozent. Die Einfuhren legten im Jahresvergleich um 12,9 Prozent auf 101,6 Milliarden Euro zu. Im August des laufenden Jahres hatten Deutschlands Exporteure erstmals seit Mai 2020 weniger Waren ins Ausland geliefert als im jeweiligen Vormonat.

Vier von fünf Unternehmen im Norden beklagen fehlende Zulieferteile

Nach einer Umfrage des Arbeitgeberverbandes Nordmetall, die der dpa vorliegt, leiden vier von fünf Unternehmen unter den anhaltenden Störungen in den globalen Lieferketten, knapp die Hälfte von ihnen leiden sogar stark. „Während viele Unternehmen dadurch Durststrecken bis zu 13 Monaten befürchten, steigen für neun von zehn unserer Firmen auch die Einkaufspreise, im Durchschnitt um gut 50 Prozent“, sagte Nordmetall-Präsident Folkmar Ukena. „Dem stehen Umsatzverluste durch Lieferprobleme von mindestens 13 Prozent gegenüber.“

Ausgeweitete Sonntags-Fahrerlaubnisse für Lkw gefordert

Ukena, der als geschäftsführender Gesellschafter den familiengeführten Ofenbauers Leda im friesischen Leer leitet, fordert von der Politik, zumindest auf deutscher Seite Lieferzeiten im Transportsektor zu beschleunigen. „Tun Sie alles, um die teilweise schwerfällige Zollabfertigung an den deutschen Grenzen zu beschleunigen“, so der Chef des Arbeitgeberverbandes. Außerdem sollte Ukena zufolge zeitweise über eingeschränkte Nachtflugverbote für Frachtflugzeuge und ausgeweitete Sonntags-Fahrerlaubnisse für Lkw nachgedacht werden. „Das würde der norddeutschen Industrie helfen, den vielfach im Ausland entstehenden Lieferengpässen mit mehr Tempo im Inland zu begegnen.“

Zwei Drittel der Unternehmen können der Umfrage zufolge immer noch nicht abschätzen, wie lange die Lieferengpässe andauern werden. Je nach Branche gehen sie von 8 bis 13 weiteren Monaten aus, nachdem das Problem - wiederum je nach Branche - bereits seit 3 bis 8 Monaten besteht. Die meisten Unternehmen (93 Prozent) berichten in der Umfrage von verspäteten Lieferungen, 89 Prozent zudem von gestiegenen Preisen. 69 Prozent beklagen Lieferungen in zu geringen Mengen, 52 Prozent berichten von komplett ausbleibenden Lieferungen. Preiserhöhungen werden bei „kritischen Warengruppen“ mit - je nach Branche - 17 bis zu 137 Prozent angegeben. Als Ursache betrachten die Unternehmer zumeist fehlende Produktion beim Lieferanten und Transportprobleme außerhalb der EU.

Nordmetall ist der Zusammenschluss von 240 Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie. Die Mitgliedsunternehmen beschäftigen nach Verbandsangaben rund 130.000 Menschen in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und dem nordwestlichen Niedersachsen. An der Umfrage haben sich Mitte Oktober 136 Betriebe mit 99.000 Beschäftigten beteiligt. (dpa/sn)

 

 

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