Amsterdam. Der Vorstandsvorsitzende von KLM, Camiel Eurlings, hat mit sofortiger Wirkung sein Führungsamt bei der niederländischen Fluglinie niedergelegt. Dieses hatte der frühere niederländische Transportminister erst im Juli 2013 angetreten, saß also nur 14 Monate auf dem Chefsessel der Linie. Eine Begründung für den überraschenden Schritt lieferten weder er noch KLM. Letztere sprach in einer knappen Stellungnahme lediglich von einer „frühzeitigen Entscheidung zugunsten der Neubesetzung der Führungsposition“, da Eurlings derzeitiger Arbeitsvertrag im kommenden April enden würde.
Als seinen Nachfolger benannte die Fluglinie inzwischen den 44-jährigen Niederländer Pieter Elbers, der bereits seit 1992 in verschiedenen Funktionen dem Unternehmen angehört. Beobachter werten den Schritt Eurlings als sichtbares Zeichen einer zunehmenden Verwerfung zwischen Mehrheitseigner Air France und ihrer niederländischen Tochter. Die Entfremdung sei weit fortgeschritten, meinte ein Luftfahrtexperte gegenüber der VerkehrsRundschau. Neben Unterschieden in den Unternehmenskulturen machte er dafür vor allem die finanziellen Ergebnisse beider Fluglinien seit deren Zusammenschluss vor nunmehr zehn Jahren verantwortlich. So habe KLM trotz allgemeiner Verluste seitdem stets die besseren Resultate eingeflogen, was auch für das Frachtgeschäft der konsolidierten Gesellschaft gilt.
Meinungsverschiedenheiten zwischen Air France und KLM
Die von Eurlings jetzt getroffene Entscheidung basiert internen KLM-Quellen zufolge primär auf seiner Unzufriedenheit mit dem jüngsten Streik der Piloten von Air France und den Folgen für KLM. Hintergrund war das Einknicken von französischer Regierung und des AF-Management gegenüber den wesentlichen Forderungen der Flugzeugführer. Diese hatten sich in einem vierzehntägigen Nonstop-Arbeitskampf mit Händen und Füßen gegen den weiteren Ausbau der Low-Cost-Konzerntochter Transavia gewehrt, die einen Teil des europäischen Verkehrs der Fluggesellschaft übernehmen sollte. Dies unterstützte zunächst auch die französische Regierung unter Hollande, die noch einen Anteil von knapp 16 Prozent an AF hält. Sie kapitulierte in Absprache mit dem Top-Management der Gesellschaft schließlich aber vor den Forderungen der Piloten. Die durch den Streik verursachten direkten und indirekten Kosten werden auf rund 500 Millionen Euro beziffert.
Internen Angaben zufolge, hat es Eurlings abgelehnt, dass auf KLM buchhalterisch ein Teil dieser streikbedingten außerordentlichen Belastungen abgewälzt werden sollte. Sie seien nicht von seiner Fluglinie verursacht worden, also gebe es keinen Grund, dass KLM damit anteilig belastet werde, so seine Haltung.
Sein jetzt vollzogener Rückzug vom Amt des CEO signalisiert indirekt, dass er sich mit dieser Position nicht durchsetzen konnte. Da auch sein Nachfolger Pieter Elbers als eher eckige Person gilt, dürfte die Beziehung zwischen Air France und KLM nach Meinung von Beobachtern auch künftig nicht konfliktfrei sein. (hs)