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Jack Short: „Mobilität wird sich verdreifachen“

Der Generalsekretär des Weltverkehrsforums Jack Short
© Foto: International Transport Forum

Weltverkehrsforum will Transportfragen nicht aus dem Blickwinkel von Technologie oder Infrastruktur betrachten, sondern durch die Augen der Bürger


Datum:
25.05.2011
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Leipzig. Verkehrsexperten und Politiker aus aller Welt treffen sich diese Woche zum vierten Weltverkehrsforum in Leipzig. Unter dem Dach der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) versteht sich das Weltverkehrsforum (ITF) als Denkfabrik für die Zukunftsfragen von Verkehr, Logistik und Umwelt. Die Hauptdiskussionsthemen benennt ITF-Generalsekretär Jack Short im Interview.

Das Thema ist in diesem Jahr „Verkehr und Gesellschaft". Was genau sind die Schwerpunkte?

Jack Short: Wir wollen Transportfragen bewusst nicht so zuerst aus dem Blickwinkel von Technologie oder Infrastruktur betrachten, sondern durch die Augen der Bürger. Das hat viele Facetten: Gibt es ein Recht auf Mobilität? Wenn ja, wie bezahlen wir dafür und wer bezahlt? Westliche Gesellschaften altern - wie können wir sicherstellen, dass auch ältere Menschen problemlos von A nach B kommen? Wie können wir Sicherheit und Bürgerrechte unter einen Hut bringen. Da geht es auch um Themen wie Datenweitergabe bei Flugbuchungen oder Körperscanner an Flughäfen.

Verkehr, Transport, Logistik sind in den zurückliegenden 20 oder 30 Jahren regelrecht explodiert. Technik und Vernetzung sind immer ausgeklügelter. Gibt es dafür eine Grenze?

Es ist wahr, dass Mobilität in den vergangenen Jahrzehnten eine Wachstumsbranche gewesen ist, sowohl in Bezug auf die Passagiere als auch auf die Fracht. Und in den kommenden Jahrzehnten wird die Entwicklung nicht unbedingt langsamer werden. Wir schätzen, dass Mobilität, gemessen als Summe zurückgelegter Passagier-Kilometer, sich bis 2050 verdreifachen wird. Und in Schwellenländern, wo die Menschen wohlhabender werden, Autos kaufen und generell mobiler werden, könnte sie sich sogar versechsfachen.

Daher stellt sich die Frage: Wie organisieren wir Mobilität für eine Welt mit neun Milliarden Menschen? Wie können wir sicherstellen, dass die Bürger der neuen Mega-Citys zur Arbeit oder zur Schule kommen können? Dass sie nicht in einem endlosen Stau stecken bleiben oder, wenn sie kein Auto haben, im Bus keinen Platz bekommen?

Nahtloser Verkehr unter Nutzung innovativer Technologien ist ein Teil der Antwort. Das Weltverkehrsforum 2012 wird genau das zum Thema haben: den nahtlosen Verkehr.

Was meinen Sie, wo wird die Menschheit 2050 bei dem Erreichen der Klimaschutzziele stehen? Kann Elektromobilität uns retten?

Elektromobilität ist ein erster Schritt. Aber wir dürfen nicht glauben, dass eine einzige Technologie Öl ersetzen wird. Der Verkehr ist derzeit noch zu rund 97 Prozent abhängig von Öl, aber es wird im Verkehrsbereich von einer Mischung aus Energiequellen ersetzt werden. Und wir dürfen nicht vergessen, dass Elektromobilität nicht bedeutet, dass es keine Emissionen mehr gibt. Die Emissionen werden verlagert: Treibhausgase werden zwar nicht direkt von Elektroautos produziert, sondern im Kraftwerk am Stadtrand.

Wenn das ein altes Kohlekraftwerk ist, fährt auch das Elektroauto nicht wirklich sauber. Um wirklich voran zu kommen, müssen wir alles vorantreiben: Elektromobilität, Biokraftstoff, Wasserstoff, Brennstoffzellen. Und wir sollten den guten, alten Verbrennungsmotor nicht vergessen. Um Treibhausgase aus dem Verkehr zu verringern, wird es kurzfristig viel bringen, die Effizienz von normalen Autos zu verbessern. (dpa) 

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