Herr Busch, neben dem Paketgeschäft in Deutschland verantworten Sie bei Deutsche Post DHL nun auch das europäische Paketgeschäft. Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?
Das Paketgeschäft wird sich im Zuge der digitalen Revolution in ganz Europa weiter sehr dynamisch entwickeln. Das wollen wir natürlich mitgestalten. In Deutschland werden wir dafür unsere Marktführerschaft unter anderem mit der Investition in unser Netz sowie mit neuen Services wie dem Paketkasten weiter ausbauen. In Europa ist der E-Commerce zwar noch unterschiedlich stark entwickelt. Aber auch hier sehen wir für uns als Logistikdienstleister enorme Potenziale. Im ersten Schritt konzentrieren wir unsere Aktivitäten im neuen Bereich DHL Parcel Europe auf die Benelux-Staaten, Polen und die Tschechische Republik.
Was planen Sie konkret? Werden Sie in jedem Land nun ähnliche Strukturen wie in Deutschland aufbauen?
Nein. Bleiben wir bei den genannten Ländern. Hier waren wir auch schon vorher als Konzern aktiv und haben bestehende Netze, auf die wir aufsetzen. Bislang lag der Fokus in diesen Ländern nur stärker auf dem B-2-B- und Palettengeschäft. Schon heute ist das B-2-C-Volumen aber signifikant. Aus diesem Grund haben wir die Paket-Aktivitäten, die vorher bei DHL Express und DHL Freight angesiedelt waren, im Vorstandsbereich Post-E-Commerce -Parcel (Pep) gebündelt. Im nächsten Schritt werden wir das B-2-C-Geschäft mit neuen empfängerorientierten Services weiter ausbauen.
Bis wann werden wir erste Ergebnisse sehen?
Die ersten Schritte haben wir schon gemacht: Die ehemalige Selektvracht in den Niederlanden operiert seit Mai unter der Marke DHL Parcel, weitere Länder werden folgen. Welche Services sich für welchen Markt eignen, werden wir uns sehr genau anschauen. Für die Niederlande haben wir zum Beispiel schon entschieden, dass wir die Packstation auch dort nutzen und verstärkt Paketshops aufbauen werden.
Liegt ein Grund für Ihre neue gezieltere Ausrichtung auf E-Commerce in den Aktivitäten Ihres Großkunden Amazon, der derzeit in den USA einen eigenen Paket- und Frischedienst aufzieht?
Nein. E-Commerce ist der Wachstumstreiber in unserem Geschäft und wird dies auch in den kommenden Jahren sein und das nicht nur in Europa, sondern weltweit. Da ist es nur logisch, dass wir uns noch stärker vor allem auf das internationale E-Commerce Geschäft ausrichten.
Mal direkt gefragt: Plant Amazon auch in Deutschland ein eigenes Paketnetz? Welche Signale empfangen Sie von Ihrem Großkunden?
Mit Amazon verbindet uns seit vielen Jahren eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Und wir tun mit unseren Services unser Bestes, damit dies auch so bleibt.
Sie haben soeben den Paketkasten für Endkunden auf den Markt gebracht. Wie viele Bestellungen haben Sie schon?
Die Resonanz ist extrem positiv. Aktuell kommen beinahe täglich 100 neue Kästen hinzu.
Werden Sie den Paketkasten auch für andere Kurier-, Express- und Paketdienste öffnen?
Unser Anspruch ist es, dass jedes Paket sicher zugestellt wird. Wenn wir zulassen, dass ein Dritter Zugang zum Paketkasten hat, ist diese Sicherheit nicht mehr gewährleistet. Deshalb können und werden wir den Paketkasten nicht für Dritte öffnen.
Das Interview führte VerkehrsRundschau-Redakteurin Eva Hassa