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Interview: Lang-LKW hat ökonomische und ökologische Vorteile

Interview: Lang-LKW hat ökonomische und ökologische Vorteile
Andreas Tonke zu den Vorteilen des Lang-LKW und die Rolle der Verlader
© Foto: VR / Jan Scheutzow

Interview mit den Leiter Verkehrswesen bei Bosch und Siemens Hausgeräte (BSH), Andreas Tonke, zu den Erfahrungen mit dem Lang-LKW.


Datum:
05.04.2012
Autor:
Michael Cordes
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Interview mit den Leiter Verkehrswesen bei Bosch und Siemens Hausgeräte (BSH), Andreas Tonke, zu den Erfahrungen mit dem Lang-LKW, die Verhandlungen mit dem Dienstleister und die Zurückhaltung der Industrie und des Handels bezüglich des Lang-LKW.

Herr Tonke, warum setzt sich BSH für den Einsatz des Lang-LKW ein?
Andreas Tonke: Wir sehen kaum noch Möglichkeiten, die Frachtraumauslastung zu verbessern. Die Verpackungen sind weitgehend optimiert. Aufgrund des Produktes bekommen wir keine Effizienzsteigerung mehr hin. Also muss man das Transportmittel selber anpassen. Mit dem Lang-LKW ist es möglich, unter ökonomischen wie auch unter ökologischen Gesichtspunkten Vorteile zu erzielen.

Können Sie die Vorteile genauer beziffern?
In einem Jumbo-LKW passen 198 Standardgeräte wie Waschmaschinen oder Kühlschränke. In einem Lang-LKW können wir 279 Stück unterbringen. Da unsere Güter durchweg leicht sind, haben wir auch keinerlei Problem mit der Gewichtsgrenze von 40 Tonnen.

Gab es denn irgendwelche Probleme, seit der Test läuft?
Es gibt Probleme mit den Genehmigungsverfahren für die ersten und die letzten Meter. Wir haben da viele Aktivitäten über unseren Spediteur laufen. Zum einen das Thema Bad Neustadt, was bis Ende März erfolgen sollen. In Thüringen liegt noch keine Rückmeldung vor. Für unser Werk in Wunstorf haben wir jetzt auch grünes Licht bekommen. Das könnte dann eine weitere Streckenführung werden, wobei es hier aber noch bei den Abläufen verschiedene Dinge zu klären sind.

Würden Sie da einen zusätzlichen Lang-LKW einsetzen?
Nein, wir wollen erstmal mit diesen beiden LKW Erfahrungen sammeln: Welche Leistungsdaten kommen dabei heraus? Wie ist der Spritverbrauch, etc.? Zudem ist ja völlig ungewiss, wie es nach dem Feldversuch weitergeht. Wenn Lang-LKW dauerhaft ein Lösung werden, dann begrüßen wir das und werden sicherlich mehr dieser Fahrzeuge auch mit anderen Speditionen einsetzen.

Dass einige Bundesländer nicht mitmachen blockiert BSH nicht?
Doch. Wir wären sehr gerne auch nach NRW oder nach Berlin gefahren, ist aber nicht möglich. Das blockiert uns sogar erheblich, weil wir unseren Spediteur ja auch eine entsprechende Rückladung anbieten wollen. Dies ist uns auf den zur Verfügung stehenden Relationen aber nur sehr schwer möglich.

Hat BSH seinen Dienstleister beim Einsatz des Lang-LKW unterstützt?
Wir hatten mit der Spedition hier einen Partner, der von sich aus sich sehr stark um das Thema bemüht hat. Wir sind dort, wo es sinnvoll war, gemeinsam aufgetreten, beispielsweise bei der Politik oder bei Veranstaltungen. Aber im großen und ganzen war es die Spedition Schwarz, die das Thema getrieben hat. Wir unterstützen ihn mit entsprechenden Ladungen und wir haben das Investitionsrisiko für die Dolly-Achsen übernommen. Hätte Schwarz also kein Genehmigung erhalten, dann hätten wir die Kosten dafür getragen.

Haben Sie über die Frachtrate verhandelt?
Nein. Die Spedition Schwarz fährt zu alten Konditionen, das heißt, das Unternehmen muss den Auslastungsvorteil im Augenblick noch nicht an uns weitergeben.

Wann finden diesbezüglich Gespräche statt?
Da wollen wir erst abwarten, wie belastbar die Ergebnisse sind. Aber werden wohl nicht mehr in diesem Jahr etwas verändern.

Halten Sie den Feldversuch unter den gegebenen Umständen überhaupt für sinnvoll?
Ich hoffe doch, dass wir mit den wenn auch sehr begrenzten Einsatzmöglichkeiten die Argumente der Kritiker gegen den Lang-LKW entkräften können, ob es sich nun um die Überholvorgänge, die Unfallträchtigkeit oder das Überqueren von Bahnübergängen handelt. Ohne Zweifel wäre der Feldversuch für alle besser gewesen, wenn er flächendeckend angelegt worden wäre und man einen wirklichen Echtbetrieb getestet hätte. Wenn man jetzt einen Laborversuch macht, muss man auch mit den Ergebnissen des Laborversuches leben.

Die Kritiker des Feldversuches haben ja vehement Stimmung gegen den Lang-LKW gemacht mit Begriffen wie Monstertrucks. Müssen Industrie und Handel sich den Vorwurf gefallen lassen, hier geschlafen zu haben?
Den Vorwurf muss man sich als Industrie gefallen lassen. Ich erinnere mich an Veranstaltungen in Brüssel, wo wir als BSH als einziger Verlader aus Europa dabei waren und wo die Interessensverbände der Gegner in geballter Kraft aufgetreten sind. Ein Problem ist sicher, dass es in der Industrie keine einhellige Meinung gibt und man sich zu sehr auf die Lobbyarbeit der Speditionen verlassen hat - die aber auch lange Zeit in der Frage gespalten war. Demgegenüber waren sich die Gegner des Lang-LKW immer einig und haben entsprechende Öffentlichkeitsarbeit gemacht.

Sollten Industrie und Handel also mehr Initiative zeigen?
Ja, unbedingt. Man kann den Lang-LKW dauerhaft nur etablieren, wenn man seinen Nutzen herausstellt – nicht den für die Unternehmen, sondern den volkswirtschaftlichen Vorteil. Dies kann man als einzelnes Unternehmen nicht machen, hier muss ein Verband agieren, der eine gesamte Branche vertritt. 

Interview: Michael Cordes, Redakteur

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