Kiel. Der vom Bund beschlossene Ausbau des Nordostsee-Kanals (NOK) muss so zügig wie möglich über die Bühne gehen. Dafür tritt die Industrie- und Handelskammer zu Kiel (IHK Kiel) ein. Deren Hauptgeschäftsführer, Jörn Biel, warnt vor den unabsehbaren Folgen eines möglichen Rechtsstreites zwischen dem Denkmalschutz in Schleswig-Holstein und der NOK-Verwaltung sowie der Wirtschaft. „Man könnte fast von einer Posse sprechen, die sich da anbahnt“, sagte Jörn Biel, IHK-Kiel- Hauptgeschäftsführer, der VerkehrsRundschau. Er hoffe sehr, dass, bei allem grundsätzlichen Verständnis für den Denkmalschutz, „die zuständigen Institutionen am Ende eine einvernehmliche Lösung finden“. Denn: „Der NOK ist als Verkehrsader von großer Bedeutung für unser Land, den gesamten Ostseeraum und Skandinavien. Seine verkehrliche Leistungsfähigkeit darf durch Aspekte des Denkmalschutzes nicht bedroht oder gar herabgesetzt werden.“ Biel betonte, das die Schifffahrt und die maritime Verbundwirtschaft froh und erleichtert sind, dass sich der Bund – nach jahrelangem Abwägungs- und Entscheidungsprozess – schließlich doch dazu entschlossen habe, den über 112 Jahre alten NOK zu ertüchtigen. „Der Beschluss kommt zwar spät, aber zum Glück nicht zu spät.“ Neben dem Ostteil des Kanals, zu dem in Brunsbüttel auch der Bau einer neuen, fünften Schleusenkammer gehört, soll das Kanalbett in seiner Gesamtlänge vertieft werden. Darüber hinaus steht die Modernisierung des Schleusenkomplexes in Kiel-Holtenau sowie der Bau einer Großweiche im westlichen Kanalbereich an. Das Gesamtpaket hat nach heutiger Betrachtung ein Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro. Biel betonte, dass diese Maßnahmen „so schnell wie möglich umgesetzt werden müssen, damit dem umweltfreundlichen Verkehrsträger Seeschiff möglichst zeitnah eine reibungsfreie Nutzung dieser wichtigen Passage ermöglicht wird“. Biel wies darauf hin, dass die Erneuerungsmaßnahmen am NOK auch deshalb von größter Wichtigkeit für den internationalen Seeverkehr sind, weil die im Ostseeverkehr zum Einsatz kommenden Schiffe ebenfalls immer größer würden. Auch die Schiffsanzahl steige seit sechs Jahren kontinuierlich an. Dieser Trend werde sich vor dem Hintergrund der drastisch gestiegenen und absehbar weiter steigenden Treibstoffpreise in Zukunft weiter erhöhen, so Biel. Nach Darstellung der Wasser – und Schifffahrtsdirektion Nord (WSD-Nord) in Kiel könnte der NOK 2008 erstmals die Schallmauer von 100 Millionen Tonnen Ladung durchbrechen. Davon geht die Behörde nach Auswertung der Verkehrszahlen für das erste Halbjahr aus. Zwischen Januar und Juni befuhren die künstliche, rund 100 Kilometer lange Bundeswasserstraße rund 22.100 Schiffe unterschiedlicher Größenordnung. In ihren Frachträumen beförderten sie gut 55,5 Millionen Tonnen Ladung. (eha)
IHK Kiel: Nordostsee-Kanal-Ausbau nicht behindern
Denkmalschutz darf dem Ausbau nicht im Wege stehen – IHK-Kiel Geschäftsführer Jörn Biel spricht von „Posse“