Hürdenlauf zum Studium

17.06.2014 15:36 Uhr
Für manchen Studiengang müssen junge Leute so manche Hürde überwinden

In der Uni oder der FH einschreiben und losstudieren? So einfach ist es leider meistens nicht. Denn fast die Hälfte aller Studiengänge ist mit einem NC belegt.

Gütersloh. Das Abitur geschafft. Und jetzt studieren! Die meisten wissen schon, in welche Richtung es gehen soll und was ihnen besonders Spaß macht. Aber: Nur weil man einen bestimmten Studiengang in einer bestimmten Stadt – bevorzugt in einer besonders „coolen“ – auserkoren hat, heißt das noch lange nicht, dass man auch zugelassen wird. Wie stehen denn die Chancen, seinen Wunsch-Studienplatz zu ergattern? „Das kommt zum einen auf den Wunsch und zum anderen im Wesentlichen auf die Abiturnote an“, erklärt Cort-Denis Hachmeister. Er ist einer der Autoren der Studie „Der CHE Numerus Clausus-Check 2013/14“ des CHE Centrum für Hochschulentwicklung.

Demnach ist knapp die Hälfte aller Studiengänge in Deutschland (45,5 Prozent) mit einem Numerus Clausus (NC) belegt. Grund dafür ist der unvermindert hohe Ansturm auf die deutschen Hochschulen, dem diese mit Zulassungsbeschränkungen begegnen. Auffällig: Die Quoten innerhalb der Bundesländer unterscheiden sich deutlich. So liegen alle ostdeutschen Bundesländer unter dem Bundesdurchschnitt. In den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg sind dagegen ungefähr zwei Drittel aller Studiengänge zulassungsbeschränkt.

Unterschiede gibt es auch bei den Hochschultypen: Bei den Fachhochschulen sind 49,5 Prozent der Studiengänge mit NC belegt, bei den Universitäten „nur“ 43,7 Prozent. Hachmeister vermutet, dass das an dem kleineren Fächerspektrum und der Fokussierung der Fachhochschulen auf die Lehre liegt. Beim Vergleich der Fächergruppen belegen die Rechts-, Wirtschaft- und Sozialwissenschaften mit einer Quote von 53,7 Prozent den Spitzenplatz vor den mathematisch-naturwissenschaftlichen, ingenieurwissenschaftlichen sowie den sprach- und kulturwissenschaftlichen Fächergruppen.

Nachrücken möglich

Was auf den ersten Blick wie ein Hemmnis wirkt, bringt auch Vorteile. Laut der Universität Duisburg-Essen stellt der NC sicher, dass die Studiengänge nicht übervoll werden. „Zugelassene Studierende profitieren von guten Studienbedingungen mit einer optimalen Betreuungsrelation“, sagt Kai-Oliver Schocke, Professor für Logistik und Produktionsmanagement an der Frankfurt University of Applied Sciences. Davon profitieren jedoch nur die, die angenommen wurden. Was aber tun, wenn man den geforderten NC nicht erreicht? „Auf keinen Fall sollte man sich von einem NC abschrecken lassen“, rät Dagmar Sinsbeck, Leiterin Dezernat Studium und Akademisches an der Fachhochschule Münster. Dort wird übrigens Logistik als Masterstudiengang ohne NC angeboten.

Weil sich viele junge Leute an mehreren Hochschulen bewerben, springen viele Bewerber auch wieder ab. Im Nachrückverfahren werden diese Studienplätze dann den Bewerbern angeboten, die auf dem nächsten Listenplatz stehen. So kann es vorkommen, dass der NC zum Beispiel im Hauptverfahren bei 2,0 lag, letztendlich aber auch 3er-Kandidaten zum Zug kommen. „Neben der Abiturnote werden in der Regel 20 Prozent der Plätze über die Wartezeit vergeben“, sagt Martin Rothenberg, Sprecher der Technischen Universität Dortmund. Wenn auch das nicht klappt, lohnt der Blick in ein anderes Bundesland. Vielleicht findet sich ja dort der Wunsch-Studiengang – zulassungsfrei. (ts)

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