Hamburg. Einen Kampf „bis zur letzten Minute“ will die Belegschaft der Hamburger Reederei-Gruppe Hapag-Lloyd führen, damit das Traditionsunternehmen nicht an die Reederei NOL aus Singapur verkauft wird. Das kündigte Betriebsratsvorsitzender Uwe Klein heute in Hamburg an. Unter der Überschrift „Es ist fünf vor zwölf“ wird es am Mittwochvormittag in allen Hapag-Lloyd-Niederlassungen in Deutschland, Europa und in Übersee Protestaktionen gehen. Hapag-Lloyd -Betriebsratsvorsitzender Klein spricht vom „globalen Flaggenzeigen“. Den Auftakt dazu werden die rund 1200 Mitarbeiter am Stammsitz Hamburg machen. Nach einer Betriebsversammlung um zehn Uhr morgens werden die Beschäftigen ihre Zusammenkunft zum Kreuzfahrtterminal im Hamburger Hafen verlegen. Für diesen Teil der Veranstaltung werden mehrere prominente Redner erwartet, unter anderem Hamburgs Finanzsenator Michael Freytag sowie Bischöfin Maria Jebsen. Zur akustischen Unterstützung der Aktion werden zudem um Punkt fünf vor zwölf Schlepper, Barkassen, Fähren und Museumsschiffe im Hamburger Hafen ihre Typhone erklingen lassen. Der Protest wird sich dann zeitversetzt auch in den Niederlassungen in Übersee fortsetzen. „Wir nutzen die letzte Chance vor dem Abgabetermin der Gebote, um nach außen hin deutlich zu machen, dass wir einen Verkauf unserer Reederei ins Ausland nicht hinnehmen werden und immer noch geschlossen zur „Hamburger Lösung“ stehen“, erklärte Klein weiter. Hapag-Lloyd-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Dieter Lübkemann sagte der VerkehrsRundschau, dass die aktuellen Ausführungen der Maritimen Koordinatorin der Bundesregierung, Dagmar Wöhrl, vom Montag dieser Woche bei der Eröffnung der SMM 2008 weder den Betriebsrat noch die Belegeschaft „beruhigt“ habe. Lübkemann betonte, dass man angesichts der nationalen Bedeutung der Reederei für den Schifffahrtsstandort Deutschland immer noch auf den Einsatz der Bundeskanzlerin setze. Lübkemann: „Wir erwarten schon, dass sich die Kanzlerin einschaltet.“ Der Betriebsratschef erinnerte noch einmal daran, dass die vor einigen Wochen seitens Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) gemachten Äußerungen über die mögliche Veräußerung der Reederei nach Singapur den Hapag-Lloyd-Mitarbeitern „sehr geschadet hatten“. Lübkemann sieht die Belegschaft in ihrem Kampf für den Erhalt der Reederei in Deutschland inzwischen zu einer starken Solidargemeinschaft zusammengeschweißt. „Wir sind davon überzeugt, dass wir etwas bewegen können.“ Das Vertrauen in die Arbeit des Betriebsrates sei groß, so Lübkemann. (eha)
Hapag-Lloyd-Verkauf: Mitarbeiter gehen auf die Straße
Protestaktionen in allen Niederlassungen des Reedereikonzerns – Gesamtbetriebsrat appelliert an Bundeskanzlerin Merkel sich für deutschen Standort einzusetzen