Hamburg. Eine Abkühlung der Chartermärkte in der Schifffahrtsindustrie wird es geben. Doch ein „Absturz in bodenlose Tiefen“ ist auszuschließen. Hermann Ebel, Inhaber und Gründer der Hamburger Schifffahrts-Gruppe Hansa Treuhand, sieht keine Veranlassung angesichts der „auf die „die Realwirtschaft durchschlagende Finanzkrise“ in Panik zu geraten. Das stellte er am Donnerstagabend in einem Gespräch mit der VerkehrsRundschau am Rande einer Kundenveranstaltung in Hamburg klar. Ebel geht vielmehr davon aus, dass sich die internationalen Chartermärkten wieder „ein Stück weit in Richtung der Normalität bewegen, denn wir hatten ja in den zurückliegenden Jahren extrem hohe Chartermärkte gehabt“, so Ebel. Die Schifffahrt wird auch in Zukunft eine tragende Rolle beim internationalen Warenaustausch spielen, betonte Ebel: „Denn ohne die Schifffahrt findet die ganze Globalisierung nicht statt.“ Ebel erinnerte daran, dass Schifffahrt von Natur aus ein „zyklisches Geschäft“ ist. Als er im Oktober 1983 in Hamburg begann, befand sich die Schifffahrt „in einer tiefen Krise“. Der Unternehmer: „Wenn´s gut ging, dann verdienten damals die in Dienst gestellten Schiffe gerade die Zinsen und Betriebskosten, während an Tilgung gar nicht zu denken war.“ Aus dieser Zeit habe er eine wichtige Erkenntnis mitgenommen: „Wir sind stets bestrebt, so günstig wie möglich mit der Neubauinvestition in den Markt zu kommen. Das verschafft uns dann die Möglichkeit, nötigenfalls auch mit geringeren Charterraten leben zu können.“ Die Schiffsfinanzierungssparte seiner Unternehmensgruppe verkehre auch in diesen turbulenteren Tagen und Wochen weiter in ruhigerem Fahrwasser. Die Anleger seien ungebrochenen Vertrauens. Erst kürzlich habe man wieder einen Fonds geschlossen, „der in der Platzierung überhaupt keine Mühe macht“. Denn die darin zusammengefassten Schiffe seien zu einem „günstigen und vernünftigen Preis“ erworben worden. Im Markt seien sie zu „guten, mehrjährigen Charterraten“ untergebracht worden. Ebel einmal mehr dazu, dass sich potenzielle Anleger die Objekte, in die sie investieren wollen, „sehr genau ansehen“. Der Schifffahrtsexperte: „Der heutige Anleger ist nicht mehr gewillt, in Schiffe zu investieren, deren nachhaltige Ertragslage mit einem großen Fragezeichen versehen ist.“ Die Hansa Treuhand-Gruppe disponiert aktuell über eine Flotte von 70 Containerschiffen, sechs Tankern und vier Kühlfrachtern. Hinzu kommen vier Kreuzfahrtschiffe. Aktuell werden für das Unternehmen (100 Mitarbeiter) zwölf Schiffe gebaut. (eha)
Hansa Treuhand-Chef: Finanzkrise wird Chartermärkte abkühlen
Hamburger Schifffahrts-Gruppe erwartet, dass Anleger künftig mehr auf Nachhaltigkeit Wert legen