Hamburg. Die Hamburger Seehafenverkehrswirtschaft zieht nach 100 Tagen Schwarz-Grünem Senat die gelbe Achtung-Karte. Der "anfängliche Optimismus", dass die neue Regierung wichtige Hafenprojekte zügig in Angriff nimmt, ist inzwischen einer "zunehmenden Besorgnis" gewichen. So drohten Zentralvorhaben Verzögerungen, in deren Folge "erfolgreiche Hafenaktivitäten ohne Not in Frage gestellt werden", sagte Norman Zurke, Geschäftsführer beim Unternehmensverband Hafen Hamburg (UVHH), in einer am Donnerstag veröffentlichen Verbandserklärung. Für größtes Unbehagen sorgt bei den Hafenunternehmen, dass die wichtige Hafenquerspange, die den östlichen mit dem westlichen Hafenteil verbindet, hinsichtlich ihrer Trassenführung erneut zur Disposition gestellt wird. Zurke gegenüber der VerkehsRundschau: "Uns brennt die Hafenquerspange wirklich auf den Nägeln." Nachdem Stadtentwicklungs-Senatorin Anja Hajduk (GAL) inzwischen erklärt hat, dass die Trassenführung noch einmal gründlich überprüft wird, befürchtet der UVHH, "dass sich der Baubeginn ganz erheblich verzögert". Zurke im VR-Gespräch: "Wir diskutieren über diese Hafenquerspange bereits seit 30 Jahren." Aus Sicht der Hafenwirtschaft liege aber mit der so genannten "Nordtrasse" heute schon eine Bauvariante auf dem Tisch, die sich zur Verwirklichung eigne. Diese Trasse gewährleiste überdies den Anschluss an die Haupthafenroute, so der UVHH. Dass es der Senat an einem klaren Kurs in Sachen Hafenentwicklung fehlen lässt, zeigt sich für den UVHH auch an diesem Beispiel: Vor wenigen Wochen wurde seitens des Senats die Idee bekannt, mitten im Hamburger Hafen ("Kleiner Grasbrook") eine Fläche als Ersatzgrundstück für die Hamburger Universität zu nutzen. Derzeit wird dieser Teil des Hafens intensiv von der Hafenwirtschaft für Umschlag- und lagerungstätigkeiten genutzt. So betreibt beispielsweise die HHLA hier ihren Multifuntkionsterminal "O´Swaldkai", in dessen Ausbau das Unternehmen einen mehrstelligen Millionenbetrag investiert hat. Rund 1000 Arbeitsplätze sind allein mit diesem Hafenteil verbunden. Der UVHH: "Dieser Bereich ist für die Bedeutung Hamburgs als Universalhafen unverzichtbar." Für großes Unbehagen sorgt auch die sich abzeichnende weitere Verteuerung des Hafenstandortes Hamburg. Das Vorhaben steht beim Senat unter der Überschrift "Hafen finanziert Hafen" und sieht eine stärkere Refinanzierung von Hafeninfrastrukturprojekten aus hafenbezogenen Einnahmen vor, zum Beispiel aus den Kaimauermieten. Der UVHH warnt den Senat davor, diese Stellschraube zu überziehen. Es drohe anderenfalls "eine dramatische Standortverteuerung, welche die Wettbewerbsfähigkeit des Hamburger Hafens nachhaltig schwächen kann." (eha)
Hamburger Hafenunternehmen: "Besorgnis" und "Irritationen" nach 100 Tagen Schwarz-Grüner Stadtregierung
Hafenwirtschaft verlangt schnelles Handeln bei wichtigen Infrastrukturprojekten – Warnung vor einer weiteren "Standortverteuerung"