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Hafen Rotterdam senkt Hafenentgelt

Der Hafen Rotterdam senkt das Hafenentgelt
© Foto: eha

Niederländer gewähren Unternehmen „Krisenrabatt“ von sieben Prozent - Deutsche Nordseehäfen kalt erwischt


Datum:
12.11.2009
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Rotterdam/Hamburg. Der Rotterdamer Hafen will in jedem Fall gestärkt aus der gegenwärtigen Wirtschaftskrise hervorgehen. Einen wichtigen Beitrag dafür soll die neue Hafenentgeltstruktur leisten, die zum 1. Januar 2010 in Kraft tritt. Um den Reedereien in diesen Krisenzeiten entgegen zu kommen, wird der Hafenbetrieb Rotterdam (HbR) erstmals seit mehr als 20 Jahren einen „Krisenrabatt“ einführen. Höhe: sieben Prozent. Er wird mit dem Hafenentgelt verrechnet, das zum 1.Januar 2010 um zwei Prozent steigen wird. Damit sinkt „unterm Strich“ das Hafengeld um fünf Prozent. Zur Erinnerung: Zum 1. Januar 2009 hatte der HbR das Hafengeld um ein Prozent heraufgesetzt. Die Kaientgelte werden 2010 für ein Jahr eingefroren. Sie steigen im Folgejahr um ein Prozent. Das Vorpreschen des HbR hat in Hamburg für großes Aufsehen gesorgt. Klaus-Dieter Peters, Präsident des Unternehmensverband Hafen Hamburg (UVHH) und Vorstandschef der HHLA, fordert den Hamburger Senat und die Hamburg Port Authority (HPA) zum sofortigen Handeln auf. „Die bereits seit Wochen von der Behörde für Wirtschaft und Arbeit und der HPA angekündigte Neukonzeption der Hafenanlaufkosten muss nun schnellstens erfolgen und die Gebührenstruktur in den wichtigsten Wettbewerbshäfen berücksichtigen. Gleiches gilt für die vom Bund festgesetzten Gebühren, unter anderem für den Nord-Ostsee-Kanal. Nur durch eine spürbare Entlastung der Hafenkunden sowie eine marktorientierte Tarifstruktur und eine zügige Fahrwasseranpassung der Elbe kann die Wettbewerbsfähigkeit des Hamburger Hafens dauerhaft erhalten bleiben.“, so Klaus-Dieter Peters. Für die Reeder zählten „aufgrund ihrer eigenen schwierigen Lage beim Seetransport zurzeit einzig und allein die Kosten bei der Wahl des Hafenanlaufs. Die Hafengebühren für den Hamburger Hafen wurden durch die HPA zuletzt noch im März 2009 um vier Prozent angehoben“, erinnerte Peters. Die neue Entgeltstruktur in den Niederlanden ist das Ergebnis von Verhandlungen zwischen dem HbR und dem Rotterdamer Hafenunternehmerverband Deltalinqs, die Ende September begannen. Nach VerkehrsRundschau-Informationen waren die Hafenunternehmen mit der klaren Forderung nach einem deutlichen Signal für den Markt eingetreten. Wie alle Häfen hat auch Rotterdam die Weltwirtschaftskrise hart zugesetzt. In den ersten neun Monaten sank der Umschlag um gut zwölf Prozent auf rund 283 Millionen Tonnen. Für das Gesamtjahr erwartet der HbR einen Mengenverlust von bis zu elf Prozent. Auf der anderen Seite gelang des dem Rotterdamer Hafen in den vergangenen Monaten, einige Neuverkehre anzuziehen. So wanderten erhebliche Feeder-Verkehre von Hamburg, teilweise auch Bremerhaven nach Rotterdam ab. Die Umstrukturierung der Fahrpläne der Überseecontainerlinien und der damit auch verbundene forcierte Einsatz von Großcontainerschiffen mit mehr als 10.000 Standardcontainer (TEU) begünstigt den Rotterdamer Hafen, da diese Schiffe den größten europäischen Seehafen ohne Tiefgangseinschränkungen ansteuern können. Amsterdam ist hier einer der großen Verlierer. Der zweitgrößte niederländische Seehafen wird zum Jahresende seinen letzten Überseecontainerliniendienst verlieren. Der knapp sieben Jahre alte Container Terminal Amsterdam (CTA) wird dann beschäftigungslos sein. Über seine Zukunft wird in Amsterdam derzeit lebhaft diskutiert. Über die offizielle Tarifanpassung hinaus soll es noch weitere finanzielle Entgegenkommen geben, erfuhr die VerkehrsRundschau aus dem Deltalinqs-Umfeld. So laufen derzeit noch Gespräche mit dem für Rotterdam wichtigen Ölsektor. Auch für Feeder-Verkehre soll es zusätzliche Anreize geben. Rotterdam kommt auch ein Rahmenabkommen zugute, dass der Hafenunternehmerverband und HbR 2008, vor Ausbruch der Krise, schlossen. Darin war unter anderem vereinbart worden, dass Hafenentgelt-Anpassung nur im Konsens vorgenommen werden dürfen. Bei Uneinigkeit müsste sogar ein Schiedsgerichtsverfahren eingeleitet werden. Diese Vorgehensweise ist in der Hamburg- Le Havre -Range beispiellos. So kritisiert die Hamburger Hafenwirtschaft seit Jahren, dass sie viel zu spät von Hafenentgeltanpassungen erfährt, um darüber zu verhandeln. Die für 2009 vorgenommene Anpassung von vier Prozent stieß zwar auf massiven Widerstand der Hafenwirtschaft, wurde aber durch durchgesetzt. Von der aktuellen Rotterdamer Anpassung und dem Instrument „Krisenrabatt“ wurden sowohl der Hamburger Hafen als auch die Bremischen Häfen kalt erwischt, wie Umfragen der VerkehrsRundschau erhaben. „Wir verstehen nicht, dass Hafensenator Axel Gedaschko in der vergangenen Woche nicht die Gelegenheit des Schiffsmakler-Eisbeinessens genutzt hat, um vor dem internationalen Publikum eine klare Aussage zum Beispiel zur künftigen Kostenstruktur des Hafens in diesen Krisenzeiten zu machen“, erklärte ein frustrierter hochrangiger Hafenvertreter gegenüber der VerkehrsRundschau. Bekannt ist lediglich, dass die Behörde für Wirtschaft und Arbeit Ende November eine größere Veranstaltung zur Zukunft des Hafens ausrichten will. Indes reißen die schlechten Nachrichten aus dem Hamburger Hafen nicht ab. Wie die HHLA am Donnerstag mitteilte, schrumpfte ihr Containergeschäft – für ihre Terminals in Hamburg und in Odessa/Ukraine – in den ersten neun Monaten um knapp 35 Prozent au 3,7 Millionen TEU. Am 16.November will die Hafen Hamburg Marketing ((HHM) die Zahlen für Gesamthafen für den Zeitraum Januar bis September vorlegen. (eha)

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