Hafen Antwerpen: Scheldevertiefung kann kommen

14.01.2010 10:03 Uhr
Antwerpen
Weg frei für Riesencontainerfrachter nach Antwerpen
© Foto: Arndt

Niederländische Verwaltungsrichter geben grünes Licht für Ausbaggern der Westerschelde – Antwerpens Hafenbetrieb und die Unternehmerschaft sind „zufrieden“ und „erleichtert“

Antwerpen. Mit großer Erleichterung und Freude reagiert die Städtische Hafenbetrieb Antwerpen (SHA) sowie der Hafenunternehmerverband Alfaport Antwerpen auf die am Mittwoch getroffene Entscheidung der Richter am niederländischen Raad van State –vergleichbar dem deutschen Bundesverwaltungsgericht –, wonach eine weitere Vertiefung der für Antwerpen wichtigen Westerschelde zu keinen nachteiligen Folgen für die Umwelt kommen werde. Damit hoben die Richter zugleich den im Sommer 2009 überraschend verfügten Baggerstopp auf, der durch verschiedene Umweltgruppierungen aus den Niederlanden und aus Belgien erwirkt wurde. Die Entscheidung löste seinerzeit einen Sturm der Entrüstung in Antwerpen und in Belgien aus, weil sich die beiden Nachbarländer Ende Dezember 2005 im Rahmen eines umfangreichen Staatsvertrages auf die erneute Westerschelde-Vertiefung verständigt hatten. Das Zustandekommen des Vertrages war über mehrere Jahre hinweg intensiv verhandelt worden. In diesem Staatsvertrag war unter anderem vereinbart worden, dass die Fahrrinnenanpassung der mehrheitlich auf niederländischem Hoheitsgebiet verlaufenden Westerschelde bis Ende 2009 abzuschließen sei. Die Belgier haben für ihr Teilstück bereits die Vertiefung abgeschlossen. Mit der neuen Fahrrinnen-Anpassung, die vor allem vor dem Hintergrund der massiven Indienststellung der XXL-Containerschiffe – mit mehr als 10.000 TEU – noch dringlicher wird, soll der Schifffahrt ein tidenunabhängiger Tiefgang von 13,10 Meter garantiert werden. Für Antwerpen hat der niederländische Richterspruch auch eine große psychologische Bedeutung. Denn es zeichnet sich ab, dass der Scheldehafen beim Containerumschlag den Hamburger Hafen überrunden dürfte. Beim Gesamtumschlag nahm Antwerpen in Europa schon immer den zweiten Rang nach Rotterdam ein. Für 2009 rechnet der SHA mit rund 7,3 Millionen TEU. Für Hamburg wird aufgrund der hohen Verluste im Verlauf des letzten Jahres im Feeder-Verkehr für den Containerumschlag mit einem Rückgang von gut 25 Prozent auf TEU-Basis gerechnet, so dass das Ergebnis auch im Bereich von 7,2 bis 7,3 Millionen TEU landen könnte. Somit könnten Antwerpen und Hamburg unterm Strich beim 2009-Gesamtergebnis ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die letzte Box führen. In der Elbe-Stadt sollen die Zahlen für 2009 am 4. Februar bekannt gegeben werden. Der SHA erklärte in den zurückliegenden Wochen bei verschiedenen Gelegenheiten, dass er alles daran setzen wolle, Antwerpen dauerhaft und für alle Gütersegmente auf dem zweiten Platz zu verankern. Bis Sommer diesen Jahres soll ein umfassender Aktionsplan erarbeitet werden, mit welchen Maßnahmen dieses Ziel erreicht werden soll. (eha)

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